Ärzte Zeitung online, 15.12.2009

Ethikrat weist Kritik an seiner Stellungnahme zu Babyklappen zurück

BERLIN (eb). Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates (DER), Edzard Schmidt-Jortzig, betonte am heutigen Dienstag, dass der Ethikrat keineswegs - wie es von manchen Kritikern vorgebracht wird - das Leben eines Kindes geringer gewichtet als die Kenntnis um seine Herkunft.

Ethikrat weist Kritik an seiner Stellungnahme zu Babyklappen zurück

Eine Babyklappe in Stuttgart. © dpa

Vielmehr gehe der Ethikrat nach Prüfung aller verfügbaren Erkenntnisse davon aus, dass Babyklappen die Frauen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie ihr Kind aussetzen oder sogar töten könnten, von dem Angebot der anonymen Kindesabgabe nicht erreicht werden. Es sei auch zu bedenken, dass die Zahl der Kindstötungen durch das Angebot anonymer Kindesabgabe nicht gesunken ist. Außerdem sprächen forensisch-psychiatrische Gutachten gegen die Annahme, dass Frauen, die ihr Kind getötet haben, in der Lage gewesen wären, es in eine Babyklappe zu bringen.

Die Angebote anonymer Geburten und institutionalisierte Babyklappen gäben grundsätzlich falsche Signale, indem sie eine normal erscheinende Handlungsoption offerieren. Bei der ethischen Bewertung der Angebote anonymer Kindesabgabe dürfe nicht vergessen werden, dass die Stärkung der elterlichen Verantwortung die dominierende moralische Maxime ist.

Die Gesellschaft sollte daher keine direkten und auch keine indirekten Anreize bieten, Eltern aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Viel hilfreicher für schwangere Frauen oder Mütter, die sich in einer Not oder Konfliktlage befänden, seien konkrete Hilfen und Beratungen, etwa zu Adoptionen. Solche Beratungen seien auch jetzt schon anonym möglich.

Die Stellungnahme ist unter www.ethikrat.org abrufbar

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