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Ärzte Zeitung online, 29.12.2009

Nordrhein-Westfalen 2008 Spitzenreiter bei Krankheitstagen

KÖLN (akr). Arbeitnehmer in Nordrhein-Westfalen sind länger krank als Beschäftigte in anderen Bundesländern. Das geht aus einer Erhebung der Betriebskrankenkassen (BKK) hervor. Im Schnitt fielen Beschäftigte im vergangenen Jahr im bevölkerungsreichsten Bundesland 14,2 Tage krankheitsbedingt aus, bundesweit fehlten Arbeitnehmer aus Gesundheitsgründen 13,4 Tage.

"Wir sehen deutlich, dass die Krankenstände in den industriellen Ballungszentren wie Dortmund, Duisburg oder Oberhausen besonders hoch sind", sagt Karin Hendrysiak, Sprecherin des BKK-Landesverbandes NRW. Die Belastung der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe sei trotz Strukturwandel und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen hoch. Mit durchschnittlich 18 Arbeitsunfähigkeitstagen im Jahr 2008 verzeichnete die Ruhrgebietsstadt Gelsenkirchen den höchsten Krankenstand, die Universitätsstadt Münster mit 10,4 Tagen den niedrigsten.

Muskel- und Skeletterkrankungen verursachten mit 26 Prozent die meisten Arbeitsunfähigkeitstage, gefolgt von Verletzungen und Vergiftungen sowie psychischen Störungen. "Die Bedeutung der psychischen Erkrankungen für die Arbeitsausfallzeiten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen", sagt Hendrysiak. 1976 lag der Anteil bei zwei Prozent, im vergangenen Jahr bei zehn Prozent. Außerdem dauern die Fehlzeiten länger. Bei psychischen Erkrankungen liegen sie im Schnitt bei 34 Kalendertagen gegenüber einer durchschnittlichen Dauer im Krankheitsfall von zwölf Tagen.

Die Zunahme psychischer Störungen betrifft Beschäftigte aller Schichten. Auffällig häufig leiden Sozialarbeiter und Telefonisten unter psychischen Erkrankungen. "Auch bei Führungskräften verzeichnen wir eine Zunahme", sagt Hendrysiak. Mitarbeiter aus Branchen, die traditionell niedrige Krankenstände aufweisen wie das Kredit- und Versicherungsgewerbe und die Medienwirtschaft, leiden überdurchschnittlich häufig an Ängsten, Burn out oder Depressionen. Das stärkste Wachstum bei diesen Erkrankungen stellen die BKK bei Arbeitslosen fest. Hier haben sich in den vergangenen vier Jahren die Krankheitstage aufgrund psychischer Störungen verdoppelt.

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