Ärzte Zeitung online, 14.01.2010

Gedenkbuch erinnert an Berliner Euthanasie-Opfer

BERLIN/BRANDENBURG/HAVEL (dpa). Ein Gedenkbuch erinnert seit Mittwoch an rund 4000 Berliner, die in der Nazi-Zeit als Psychiatrie-Patienten in Brandenburg/Havel ermordet wurden. Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, übergab das Buch am Mittwoch dem Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz, wie die Kulturverwaltung mitteilte.

Vor 70 Jahren - im Januar 1940 - ermordeten die Nationalsozialisten in einer Gaskammer in Brandenburg/Havel erstmals psychisch Kranke und geistig Behinderte. Innerhalb weniger Monate fielen rund 9000 Menschen aus ganz Deutschland dort den Mordaktionen zum Opfer.

Die Namen der Berliner unter ihnen wurden in einem einjährigen Forschungsprojekt der Freien Universität Berlin ermittelt. Nach dem Willen von Morsch und Schmitz soll das Projekt fortgeführt werden. Die Forschung geht heute von insgesamt mehr als 300 000 sogenannten Euthanasie-Opfern in ganz Europa aus.

Erst 2007 habe der Bundestag das NS-Gesetz zur "Verhütung erbkranken Nachwuchses", das als erstes Rassegesetz 1933 erlassen wurde, zu einem typischen NS-Unrechtsgesetz erklärt, so Schmitz. Damit seien die Opfer aber noch nicht als NS-Verfolgte anerkannt worden. "Entschädigungspolitische Konsequenzen hatte die Rehabilitierung bisher nicht", erklärte Schmitz laut Mitteilung.

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