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Ärzte Zeitung, 28.01.2010

Plasbergs bunte Truppe erklärt die Gesundheitswelt

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Mittwochabend im Ersten: Plasbergs bunte Truppe erklärt die Gesundheitswelt. © imago / Sven Simon

Mittwochabend versammelt sich Deutschlands Ersatzparlament bei Frank Plasbergs "Hart aber fair". "Dammbruch bei den Kassenkosten - Bahn frei für die Klassenmedizin?" hieß das Debattenthema im Ersten. Die Podiumsbesetzung ließ eine muntere Unterhaltung erwarten, und die Protagonisten enttäuschten nicht. Zu Egoshootern wie Karl Lauterbach (SPD) gesellten sich professionelle Selbstvermarkter wie Frank Ulrich Montgomery (Bundesärztekammer), Daniel Bahr (BMG-Staatssekretär) und Jens Spahn (Gesundheitspolitischer Sprecher der Union) sowie ein stillerer Charakter wie Doris Pfeiffer, Chefin des GKV-Spitzenverbands.

Freiberufler mit steigendem "Bruttolohn"

Einige Sachfragen konnte die Runde zu Beginn noch klären. So müssen, erläuterte Pfeiffer, die Kassen bis Ende des Monats ihre Haushalte vorlegen - deshalb sind bei einigen eben jetzt Zusatzbeiträge fällig. Dann aber verlor sich das Podium in Nachhutgefechten über die Gesundheitsreform von 2007. Hatten nicht Union und - fast alle - SPD-Abgeordnete für die Reform gestimmt? Bahr attestierte der SPD "politische Demenz", Lauterbach verdammte Zusatzbeiträge erwartungsgemäß als sozial ungerecht.

Eines von Plasbergs Lieblingsthemen ist das Einkommen der Ärzte. Unbekümmert hantierte er mit statistischen Durchschnittswerten und schrieb Vertragsärzten einen "Bruttolohn" von 142 000 Euro zu -  eine Sprachgebung, die nur im durch Zwangsgebühren subventionierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen blühen kann. Lauterbach musste zerknirscht eingestehen, dass der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen für das Einkommen der Ärzte setzt, versuchte dann aber, gute Hausärzte (zu schlecht bezahlt) und schlechte Fachärzte (zu gut bezahlt) gegeneinander in Stellung zu bringen.

Was Avocado-Creme und Schweinegrippe eint

Kennzeichnend für Plasbergs TV-Talk ist, dass er in seinen Trailern oft Randaspekte in den Fokus stellt, die quer zum Hauptthema des Abends stehen. Unvergessen ist die Sendung über Schweinegrippe im September 2009, in der plötzlich eine Salbe aus Vitamin B12 und Avocado-Öl gepriesen wurde, die auf wundersame Weise Menschen mit Psoriasis und Neurodermitis heilen sollte (wir berichteten). Am Mittwoch ließ Plasberg IQWiG-Chef Peter Sawicki zu Wort kommen. Darin konnte der scheidende Instituts-Chef in einem mehrminütigen Interview seine Weltsicht - "die Pharmaindustrie beeinflusst alles" - darlegen.

Am Ende der 75 Minuten weiß der Zuschauer etwas über Ärzteeinkommen und Medikamentenpreise, über gesundheitspolitische Konzepte der Politiker gegen "Klassenmedizin" aber nichts. Plasberg kündigte eine eigene Sendung über das Kopfpauschalen-Konzept an, gute Unterhaltung ist garantiert. Florian Staeck

[06.02.2010, 11:26:02]
Uwe Schneider 
Nicht nur hart, sondern auch fair sein!
D.h. nicht immer nur auf die Anderen eindreschen. Mag sein, dass Herr Plasberg zu gerne auf Ärzte und sonstige Leistungserbringer im Gesundheitswesen "eindrischt". Aber die Gegenreaktionen sind auch nicht immer wirklich ausgewogen. Nehmen wir mal den Leserkommentar von Herrn Dr. Schotters:

ad 1) "Die Kassen mit ihren überbezahlten Mitarbeitern abschaffen"

Die durchschnittlichen Verwaltungskosten in der PKV liegen bei etwa 10 %; in der GKV sind's 5 %. Kein Krankenkassenvorstand dürfte auch nur annähernd so viel verdienen wie die Chefs von Allianz, DKV & Co. Die durchschnittliche Beitragssteigerung in der PKV lag in den vergangenen Jahren über dem der GKV, da die PKV weniger Kostendämpfungsmöglichkeiten hat. Wie man dies auch immer aus ärztlicher Sicht beurteilen mag: auf die Kassen wegen des Zusatzbeitrages einzudreschen, die PKV-Unternehmen aber mit ihren Prämiensteigerungen davon kommen zu lassen - das ist nicht fair.

ad 2) "Moderne Gebührenordnung wie bei den Anwälten"

Haben Sie schon einmal mit einem Anwalt gesprochen, was er zum Vergütungsverzeichnis nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz meint? Die meisten dürften nicht begeistert sein. Für kleinere bis mittlere Fälle bekommt man hier meist kein Honorar, das den Aufwand einer qualitativ hochwertigen Bearbeitung abdeckt. Die Sätze enthalten seit Jahren nicht einmal einen Inflationsausgleich.

Die Vertragsärzte haben dagegen ab 2009 in Summe ein deutliches Plus bekommen (zugegeben mit regionalen und fachgruppenspezifischen Verwerfungen) und erhalten immerhin innerhalb der RLV ein festes Honorar nach dem Euro-EBM.

ad 3) "KVen abschaffen"

Keine KV, keine Kollektivverträge, kein Gesamthonorar, weniger Honorarsicherheit. Für manche Ärzte würde das sicher die Chance auf mehr Honorar bedeuten, für andere wird das sehr riskant werden. Möglicherweise richten die Kassen dann auch wieder eigene Ambulatorien mit angestellten Ärzten ein - viele Ärztinnen wird's freuen.

Interessant auch, dass sich manch ein besonders "armer" Ärzte was die Inflation angeht primär an der Preissteigerung für einen Porsche orientiert. Was nicht heißt, dass ich ihm keinen Porsche gönnen würde. Aber wer sich einen Porsche leisten kann, der sollte nicht allzu laut jammern. zum Beitrag »
[29.01.2010, 16:56:05]
Dieter Döring 
Frank Plasbergs "Hart aber fair". "Dammbruch bei den Kassenkosten -
Möchte mal wissen, wie Herr Plasberg auf das durchschnittliche Bruttoeinkommen von 142 000 Euro kommt? Ich, als durchschnittlicher Hausarzt, bekomme im Durchschnitt 42 Euro für einen Patienten pro Quartal. Meine Patientenzahl liegt im Durchschnitt bei 835 pro Quartal. Von diesem Geld gehen dann die gesamten Praxiskosten ab. Da meine Praxis extrem schlecht liegt habe ich dann noch fast keine Privatpatienten.
Die Sendung war für uns Ärzte nur schlimm. zum Beitrag »
[29.01.2010, 16:55:28]
Dr. Bruno Josef Schotters 
Zusatzbeiträge für Gesetzliche Krankenkassen
Die Kosten im Gesundheitswesen sind ganz einfach zu senken. Die Lösung ist so einfach, daß von den "politischen Berufsdenkern in Politik und ärztlicher Sejbstverwaltung" keiner drauf kommt. Das gleiche Phänomen beobachten wir bei der "Vereinfachung der Steuererhebung".
Der einfache und vernünftige Weg:
1.)Abschaffung der ca 170 gesetzlichen Krankenkassen. Dafür alle Bürger in "Privat-Kassen" die wesentlich wirtschaftlicher arbeiten als die "Staatlichen" Enorme Kosteneinsparung durch Wegfall der weit überzogenen Gehälter und Rentenaufkommen der sog.Kassen-Direktoren und -Mitarbeiter. Die ges. Kassen arbeiten ohne jegliches Risiko, kommen sie mit dem Geld nichtaus, können sie es sich quasi legal selbst drucken.

2.)Erstellen einer modernen ärztlichen Gebührenordnung, wie bei Anwälten, Steuerberatern und anderen freien Berufen. Die Ärzte würden wieder mit harter Währung bezahlt und nicht mehr nach Punkten, deren Wert erst Monate nach erbrachter Leistung festgelegt wird und zudem dauernd schwankt. Haben die Kassen kein Geldmehr für ihre Patienten , wird einfach der Punktwert gesenkt.(Das Gehalt der Direktoren und Mitarbeiter übrigens nie!)

3.) Abschaffung der "Kasenärztlichen Vereinigungen", die die Ärzte viel Geld kosten und mitverantwortlich sind für die jetzige Situation im Gesudheitswesen.Statt dessen Einführen gewerkschaftssähnlicher Einrichtungen für Ärzte.

Daß die moderne Medizin teurer (qualitativ viel besser) ist als vor hundert Jahren ist unbestritten. Das gilt aber für alle Bereiche unseres Lebens. (Ein Porsche kosstete vor 30 Jahren 74000 DM - heute 128000 Euro!) Ist daran die Welt zu Grunde gegangen?

Daß die Vernuft siegt mag vorkommen, aber nicht in Politik und Verwaltung.

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[28.01.2010, 17:59:23]
Dr. Ludwig Rogg 
Medikamentenvergleich
Simvastatin wurde mit Inegy verglichen.
Es wurde beim Vergleich allerdings vergessen, daß Inegy zusätzlich das teure Ezetimib mit enthält. Der Preisvergleich also völlig daneben
lag. Hat das die Pharmaindustrie nicht gemerkt oder gucken die so tendentielle Sendungen überhaupt nicht an? zum Beitrag »

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