Ärzte Zeitung, 08.02.2010

Ist die dreistufige GKV-Pauschale die Lösung?

Kommt die Gesundheitsprämie? Wenn ja, wie soll sie aussehen? Der Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomik in München, Günter Neubauer, hat ein Modell parat: eine in drei Stufen gegliederte Beitragspauschale.

Von Jürgen Stoschek

Ist die dreistufige GKV-Pauschale die Lösung?

Jeder soll einen gerechten Pauschalbeitrag zahlen. ©Kobben / fotolia.com

MÜNCHEN. Für kassenspezifische pauschalierte Beiträge für gesetzlich Krankenversicherte hat sich der Münchner Gesundheitsökonom Professor Günter Neubauer ausgesprochen. Sein Vorschlag: Einführung einer dreistufigen Beitragspauschale.

Derzeit finanziere sich die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) aus den Arbeitseinkommen bis 3750 Euro monatlich. Alles, was darüber liege oder aus anderen Quellen stamme, werde nicht erfasst, sagte Neubauer im Rahmen eines gesundheitspolitischen Expertengesprächs, zu dem die Landesvertretung Bayern der Techniker Krankenkasse (TK) eingeladen hatte. Die Folge sei, dass sich die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben der GKV, die sich immer weiter öffnen werde, nicht schließen.

Ziel müsse daher sein, alle Bürger und alle Einkommen zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung heranzuziehen und die Gesundheits- von den Arbeitskosten abzukoppeln, forderte Neubauer. Aufgabe des Staates sei es festzulegen, was den Versicherten zumutbar sei und was als Überforderung durch Zahlungen aus dem Steuertopf ausgeglichen werden soll. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass heute schon rund sechs Millionen Bundesbürger staatliche Unterstützung für ihre Krankenversicherung bekämen.

Nach Berechnungen Neubauers würde ein kassenspezifischer pauschalierter Versichertenbeitrag derzeit bei etwa 130 Euro pro Monat liegen. Um einen gewissen Sozialausgleich zu schaffen, könnte die Versichertenpauschale in eine dreistufige Beitragspauschale gegliedert werden. Der Sozialbeitrag in Höhe von 80 Euro wäre demnach von Rentnern und Geringverdienern zu entrichten. Der Normalbeitrag würde dann bei 140 Euro liegen und der Solidarbeitrag, den Besserverdienende zahlen müssten, würde rund 200 Euro betragen, rechnete Neubauer vor.

Zustimmung zu diesem Modell signalisierte der Leiter der TK-Landesvertretung, Christian Bredl. "Wir brauchen wieder mehr Spielräume für unternehmerisches Handeln", sagte Bredl. Die Kassen sollten wieder selbst über die Beiträge bestimmen können.

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