Ärzte Zeitung online, 17.03.2010

Die Hemmungen fallen: Kubicki beschimpft CSU und FDP-Parteifreunde

BERLIN (dpa). Mit einem Rundumschlag gegen den Koalitionspartner in Berlin und gegen eigene Parteifreunde hat FDP-Bundesvorstandsmitglied Wolfgang Kubicki für Wirbel gesorgt. Nach Angaben des Fraktionschefs im schleswig-holsteinischen Landtag wollen die Liberalen gegenüber der Union "jede Hemmung fallen lassen", falls die FDP bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai erfolgreich abschneidet.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brauche dann "eine warme Winterjacke. Wir werden die Union nicht schonen, das ist jetzt klar", kündigte Kubicki in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" an.

"Bis auf die Schwarte" werde man auf die CSU eindreschen. "Als Ersten" werde sich die FDP CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt nach dem Motto vornehmen: "Feuer frei von jedem. Ich freue mich schon auf jede Sottise." Weiter spielte Kubicki auf ein außereheliches Kind von CSU-Chef Horst Seehofer an. Seehofer könne dann gefragt werden: "Hat ihre Abneigung gegen die Kopfpauschale (im Gesundheitswesen) auch damit zu tun, dass Ihre Familienplanung etwas aus dem Ruder gelaufen ist", meinte Kubicki weiter.

Dobrindt erklärte dazu: "Dem Kubicki ist wohl die Schweinegrippe aufs Gehirn geschlagen. Für solche politischen Quartalsspinner wie Kubicki kann sich die FDP nur schämen." In der Berliner FDP-Spitze sprach man einer "merkwürdigen Einzelmeinung". Unmut gab es über den Stil der Attacke. FDP-Sprecher Wulf Oehme sagte: "Wolfgang Kubicki muss man nicht erklären. Er spricht für sich selbst."

Weiter sieht Kubicki teilweise Gemeinsamkeiten zwischen FDP-Chef Guido Westerwelle und dem wahrscheinlich durch Selbstmord ums Leben gekommenen FDP-Politiker Jürgen Möllemann. Beide hätten einen riesengroßen Teil ihres Selbstbewusstseins aus ihren Erfolgen abgeleitet. Und beide fürchteten sich davor, dass ihre Wertschätzung sinke, wenn Erfolge ausblieben.

Nach Ansicht Kubickis steht Westerwelle derzeit "unglaublich unter Druck". Wenn die Kampagne gegen den Außenminister so weiter gehe, "würde ich mir Sorgen um ihn machen". Er habe Westerwelle kürzlich geraten, besser auf seine "Sprachmuster" aufzupassen. Derzeit gebe es aber keinen Ersatz für Westerwelle an der FDP-Spitze - "vielleicht den Gesundheitsminister Philipp Rösler in vier oder fünf Jahren". Diese Zeit müsse "Guido also mindestens noch überstehen".

Kein gutes Haar ließ Kubicki an anderen Spitzenliberalen. "Wir haben Protagonisten in der Partei die - weil sie keinen Arsch in der Hose haben - immer behaupten, die anderen seien schuld." In diesem Zusammenhang nannte er den FDP-Vize und NRW-Landesvorsitzenden Andreas Pinkwart sowie die Staatsministerin im Auswärtigen Amt Cornelia Pieper - "meine besondere Freundin im Bundesvorstand", so Kubicki.

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