Ärzte Zeitung, 13.04.2010

Für Landräte gilt: Hausärzte als Hauptsache

Auf Bundesebene werden noch Landarztquoten diskutiert, in den Ländern finden sich längst neue Kooperationspartner zusammen, die ein Ziel haben: Hausärztemangel zu lindern oder zu vermeiden. Ein Beispiel ist Hessen.

Von Sabine Schiner

Für Landräte gilt: Hausärzte als Hauptsache

Der Löwe lahmt: In ländlichen Regionen Hessens suchen Landräte dringend Hausärzte. © imago / Hoffmann

WIESBADEN. Während die Koalition in Berlin ein Maßnahmenpaket plant, um dem drohenden Mangel an Ärzten entgegenzuwirken, werden auch auf Länderebene Pläne geschmiedet. Beispiel Hessen: Dort erarbeiten KV und Landesregierung Konzepte zur Sicherstellung der Versorgung. In vielen Regionen, etwa im Vogelsbergkreis, wurden Lenkungs- und Projektgruppen eingerichtet, die einen Handlungskatalog zur Linderung des Ärztemangels auf dem Land entwickeln sollen.

"Junge Ärztefamilien, die sich auf dem Land niederlassen, müssen sich darauf verlassen können, dass das Angebot an Schulen und Kindergärten gut ist und es ausreichend Möglichkeiten gibt, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren", sagt der Landrat Rudolf Marx. Der CDU-Politiker versucht schon seit Jahren, den Vogelsbergkreis - er liegt zwischen Frankfurt/Main und Kassel - wieder für Ärzte attraktiv zu machen.

Im Kreis arbeiten mehr als 150 niedergelassene Ärzte, darunter 66 Hausärzte. Viele von ihnen gehen in den nächsten Jahren in Ruhestand, Nachfolger finden sich nur schwer. Es brauche ein pragmatisches Konzept zur Vermeidung des Ärztemangels, so Marx. Die Lenkungsgruppe Demografie und die Projektgruppe Ärztliche Versorgung erarbeiteten deshalb mit dem Bündnis für Familie einen Handlungskatalog.

Unterversorgung mit Hausärzten ab 2012 erwartet

Auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg südwestlich von Kassel beschäftigt sich der Kreistag mit dem Problem der hausärztlichen Versorgung, obwohl er für die Versorgungssituation im ambulanten Bereich eigentlich nicht zuständig ist. Nach einer Prognose der KV Hessen wird es in Waldeck-Frankenberg erstmals im Jahr 2012 im hausärztlichen Bereich eine Unterversorgung geben.

Für den Raum Frankenberg bedeutet dies, dass fünf bis zehn der derzeit etwa 30 niedergelassenen Hausärzte aus Altersgründen in den nächsten Jahren ausscheiden. Um die Region zu stärken, hat Landrat Reinhard Kubat (SPD) eine Stabsstelle eingerichtet. Zudem soll mit der Lenkungsgruppe, einer Kooperation von Hessischem Landkreistag und der KV Hessen auf Landesebene, eng zusammengearbeitet werden. Die Lenkungsgruppe soll unter anderem Empfehlungen für Landkreise und Kommunen erarbeiten.

Mobil macht auch der Landkreis Fulda. Er will Modellregion für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum werden. Das Konzept sieht unter anderem vor, dass Ärzte mit einer halben Stelle im Krankenhaus und einer halben Stelle als Landarzt arbeiten. Geplant sind auch Außensprechstunden, die Ärzte in Randgemeinden abhalten. Zudem sollen auf dem Land Gemeindeschwestern eingesetzt werden. Von der KV Hessen fordert der Landkreis, die Bedarfsanalysen kleinräumiger aufzustellen.

Mehr Kooperation von Kliniken und Praxen

Eine kleinräumigere und flexiblere Bedarfsplanung der KV fordert auch Petra Müller-Klepper (CDU), Staatssekretärin im Gesundheitsministerium in Wiesbaden. Sie hält bessere Rahmenbedingungen des Hausarzt-Berufs für erforderlich, damit sich junge Menschen leichter für eine Tätigkeit als Allgemeinmediziner entscheiden. "Wir müssen alle neuen Formen der Berufstätigkeit wie Teilzulassung, Tätigkeit an weiteren Orten, überörtliche Berufsausübungsgemeinschaften unterstützen."

Die KV hat angekündigt, bis Mitte des Jahres Pilotprojekte vorzustellen. Unter anderem sollen Ärzte in Krankenhäusern und Praxen enger zusammenarbeiten, schlägt etwa Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes, vor. "Wenn man in bestimmten Gegenden keinen Radiologen mehr ins Krankenhaus oder in die Praxis bekommt, dann sollte man die Versorgung sektorenübergreifend regeln." Beispielsweise könnten Niedergelassene stärker in Kliniken eingesetzt und Klinikärzte in Praxen bei Bedarf Sprechstunden halten.

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