Ärzte Zeitung online, 09.04.2010

Experte: Diabetes breitet sich wie eine Epidemie aus

DRESDEN (dpa). Zur Eindämmung von Diabetes-Erkrankungen hat Professor Peter Schwarz vom Dresdner Uni-Klinikum den Aufbau eines nationalen Diabeteregisters gefordert. Erfahrungen in anderen Ländern hätten gezeigt, dass die Behandlungsqualität verbessert und Kosten gesenkt werden könnten, sagte Schwarz anlässlich des 6. Weltkongresses zur Prävention des Diabetes, der am Freitag in Dresden begann.

"Die Krankheit breitet sich weltweit aus wie eine Epidemie", sagte der Präsident des Kongresses. In Deutschland gebe es derzeit rund 8,9 Millionen bekannte Diabetiker. Geschätzte weitere vier Millionen hätten ihre Krankheit noch nicht bemerkt. In zehn Jahren könnten es bereits 14 Millionen sein, die Dunkelziffer werde vermutlich bis dahin auf sechs Millionen steigen. Breite sich Diabetes wie bisher aus, werde wegen der vielen Folgeerkrankungen das Gesundheitssystem unbezahlbar.

Mit einem Register lasse sich etwa herausfinden, welche Folgeerkrankungen Diabetes am häufigsten nach sich zieht. So werde angenommen, dass 70 Prozent der Herzinfarkte auf Diabetes zurückgehen. "Die Betroffenen könnten zudem besser informiert, beraten, befragt und über ihre Rechte aufgeklärt werden", sagte Schwarz. Die Patienten kämen mehr auf Augenhöhe mit ihren Ärzten und könnten bei der Behandlung besser mitreden - auch wenn das manchen Ärzten vielleicht nicht gefalle.

Schwarz plädierte zudem für ein nationales und europaweites Präventionsprogramm. Etwa 33 bis 37 Prozent der Bevölkerung neige genetisch bedingt zu Übergewicht und habe deshalb auch ein erhöhtes Diabetes-Risiko.

An dem Weltkongress nehmen noch bis Sonntag Experten aus insgesamt 63 Ländern teil. Veranstalter ist die Dresden International University, die den einzigen Studiengang für Präventionsmedizin in Deutschland anbietet.

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