Ärzte Zeitung, 20.04.2010
Türen für erste
gläserne Krankenhäuser aufgestoßen
Seit Montag können Patienten und
Angehörige auf den Webseiten von 92 Kliniken nachlesen, wie
hoch das Behandlungsrisiko dort im Vergleich zu anderen
Häusern ist.
Von Thomas Hommel
BERLIN. Der Anfang ist gemacht:
Insgesamt 92 Kliniken, die der 2008 ins Leben gerufenen Initiative
Qualitätsmedizin (IQM) angehören, haben am Montag
erste Qualitätsergebnisse bei wichtigen Krankheiten wie
Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenentzündung ins Internet
gestellt.

Transparenz in der Klinik hilft
Ärzten und Patienten. © bilderbox / fotolia.com
An den veröffentlichten Ergebnissen lasse sich sehr
gut ablesen, wie erfolgreich eine Klinik ihre Patienten im Vergleich zu
anderen Häusern behandle
und wo eine Klinik noch Nachholbedarf
in Sachen Behandlungsqualität sowie Vermeidung von
Komplikationen und Todesfällen habe, sagte der Chef der
privaten Klinikkette Helios und Vorstand der IQM, Dr. Francesco de Meo.
Der Qualitätsinitiative gehören mehr als 120
Krankenhäuser aller Trägergruppen sowie mehrere
Universitätskliniken an - darunter die Charité und
die Medizinische Hochschule Hannover.
In die jetzt veröffentlichten
Qualitätsberichte seien Daten aus mehr als 1,7 Millionen
Behandlungsfällen eingeflossen, betonte De Meo. Diese
würden Auskunft geben, wo Kliniken Stärken, aber auch
Schwächen hätten. Liege in einer Klinik
beispielsweise die Sterblichkeit bei Patienten mit
Lungenentzündung deutlich über dem zu erwartenden
Wert, gebe es "offensichtlich Verbesserungspotenzial", so De Meo. Um
dieses Potenzial zu erschließen, würde in der
betreffenden Klinik ein sogenanntes "Peer-Review-Verfahren" in Gang
gesetzt. Dabei setzen sich Chefärzte aus verschiedenen
Mitgliedskliniken der IQM an einen Tisch und untersuchen
auffällige Komplikationen und Behandlungsergebnisse auf
mögliche Fehler in den Abläufen und Strukturen des
Klinikums.
Das Verfahren setze auf eine "offene Fehlerkultur und einen
permanenten Verbesserungsprozess bei der Behandlung der Patienten",
betonte De Meo. "Wir unterscheiden uns damit wesentlich von
Klinikführern oder anderen Qualitätsinitiativen, die
lediglich Marketing betreiben."
Der Geschäftsführer der DRK Kliniken Berlin,
Professor Thomas Kersting, betonte, die Veröffentlichung der
Qualitätsergebnisse führe dazu, dass die
Sensibilität der Krankenhausmitarbeiter für das Thema
Behandlungsfehler weiter steige. Ziel sei es aber nicht, in einen
Wettbewerb einzutreten nach dem Motto: "Der hat einen Toten mehr und
der einen Toten weniger."

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