Ärzte Zeitung, 03.05.2010

Der Arbeiter mit Blick fürs große Ganze

Der Arbeiter mit Blick fürs große Ganze

Bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 9. Mai spielt die Gesundheitspolitik kaum eine Rolle. Auch der CDU ist sie in ihrem Wahlprogramm nur wenige Zeilen wert, dabei stellt sie mit Karl-Josef Laumann den Gesundheitsminister.

Von Ilse Schlingensiepen

Kaum ein Thema bringt den nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann derzeit so in Rage wie die Honorarreform der niedergelassenen Ärzte. Sein Vorwurf: Sehenden Auges hat die Selbstverwaltung der Ärzte und Krankenkassen auf Bundesebene in Kauf genommen, dass die nordrhein-westfälischen Ärzte schlechter abschneiden als ihre Kollegen in den meisten anderen Bundesländern. Das kann und will Laumann nicht akzeptieren, denn langfristig könnte darunter die Versorgung der Bevölkerung leiden.

Mit Kritik an der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Bewertungsausschuss ist Laumann nicht zimperlich. Auf dem Gesundheitskongress des Westens sorgte der CDU-Politiker mit einem regelrechten Wutausbruch für Furore. Vor dem erstaunten Publikum sprach er von einer Kriegserklärung an Nordrhein-Westfalen und von einem Kampf, den er bis aufs Messer führen werde. Auch der Gemeinsame Bundesausschuss - "eine Plage" - bekam sein Fett weg. "Die Zeiten, in denen ich mir von der Selbstverwaltung habe auf dem Kopf herum tanzen lassen, sind vorbei", schnaubte der 52-Jährige.

Bei seinem Amtsantritt als Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales im Juni 2005 hatte so mancher ärztliche Standespolitiker tatsächlich erwartet, dass er mit Laumann leichtes Spiel haben würde. Bei einem CDU-Gesundheitsminister finden Ärzte eher ein offenes Ohr für ihre Belange als bei seiner Vorgängerin Birgit Fischer (SPD), der heutigen Chefin der Barmer GEK, oder früheren sozialdemokratischen Ressortchefs, so die Hoffnung. Aber vor allem: Dem gelernten Maschinenschlosser würden Ärzte im komplizierten Gesundheitswesen schon sagen können, wo es lang geht, dachten einige. Doch der Minister hat sie eines Besseren belehrt.

Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft hat sich in die Materie eingearbeitet. Zwar nimmt er es in Debatten mit Details nicht immer so genau, da muss der Gemeinsame Bundesausschuss die Prügel einstecken, die für den Bewertungsausschuss gedacht sind. Im Eifer des Gefechts verwechselt er schon mal Doc Morris und Philip Morris. Aber Laumann behält die großen Linien im Blick. Er weiß, wo er hin will in der Landeskrankenhauspolitik, setzt Schwerpunkte bei den Themen Organspende und Palliativmedizin.

Laumann kämpft gegen die drohende hausärztliche Unterversorgung auf dem Land und initiiert ein Aktionsprogramm Allgemeinmedizin, dem sich auch Wissenschaftsminister Professor Andreas Pinkwart von der FDP anschließt. Dabei geht es ihm vor allem um die Versorgung der Menschen vor Ort. Gerade das Interesse der Arbeitnehmer verliert Laumann nie aus den Augen. Er ist einer der wenigen Arbeiter in der großen Politik. Die Gesundheitspolitik sieht er immer auch mit der Brille des Versicherten, der für sein Geld schwer arbeiten muss. Ärzte, sich für die Kostenerstattung stark machen und für individuelle Gesundheitsleistungen werben, können bei Laumann deshalb kaum punkten. Das zeigt er ihnen deutlich.

Die Reden, die ihm seine Ministeriumsmitarbeiter schreiben, passen auch am Ende dieser Legislaturperiode nicht ganz zu ihm. Aber wenn er frei redet, ist der Minister authentisch. Echt wirkt er auch im direkten Kontakt. "Laumann legt Wert darauf, ein Minister zum Anfassen zu sein, und das gelingt ihm auch", sagt ein Ärztefunktionär.

Online-Test zur Landtagswahl
Der gesundheitspolitische Online-Test zur Landtagswahl wird von den Lesern der Ärzte Zeitung intensiv genutzt. Bis Ende vergangener Woche gab es insgesamt über 6000 Nutzer - das ist eine größere Teilnahme als bei der Bundestagswahl im vergangenen Herbst.

Der Online-Test wurde vom Software-Spezialisten CompoGROUP gemeinsam mit der Ärzte Zeitung und der WAZ-Gruppe als dem größten Verlagshaus in Nordrhein-Westfalen entwickelt. Unter www.ihre-gesundheit-steht-zur-wahl.de können sich interessierte Nutzer anhand relevanter gesundheitspolitischer Fragen über die Ziele der fünf unterschiedlichen Parteiprogramme informieren, die in Nordrhein-Westfalen zur Wahl stehen.

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