Ärzte Zeitung online, 17.05.2010

Rösler: Konzertierte Aktion zum Thema Gesundheitswirtschaft denkbar

BERLIN (hom). Um den Wachstumsmarkt Gesundheit weiter zu stärken, kann sich Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eine konzertierte Aktion der Bundesregierung vorstellen.

Rösler: Konzertierte Aktion zum Thema Gesundheitswirtschaft denkbar

Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler © dpa / bildfunk

An der gemeinsamen Initiative könnten sich neben den Ministerien für Wirtschaft, Gesundheit und Forschung auch die Ressorts für Arbeit, Entwicklung und Auswärtige Politik beteiligen, sagte Rösler bei der Vorstellung der 6. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft am Montag vor Journalisten in Berlin.

Zu der Konferenz werden am 2. und 3. Juni rund 600 Akteure und Entscheider der Gesundheitswirtschaft im Kongresszentrum der Yachthafen-Residenz Hohe Düne in Rostock-Warnemünde erwartet.

Die Gesundheitswirtschaft berge "große Zukunftspotenziale und damit neue Perspektiven für den deutschen Arbeitsmarkt", betonte Rösler. Schon heute erwirtschafte die Branche, in der rund fünf Millionen Menschen beschäftigt seien, einen Jahresumsatz von rund 263 Milliarden Euro. Wie schnell und intensiv sich die Gesundheitswirtschaft weiter entwickele, hänge auch von den weiteren Reformschritten im Gesundheitsbereich ab, so Rösler. "Deshalb sind wir dabei, die Finanzierung des Gesundheitssystems konjunkturunanfälliger und gleichzeitig sozial gerechter zu gestalten." Für kommenden Donnerstag hat Rösler erste Eckpunkte für eine Reform der Krankenkassenfinanzierung angekündigt (wir berichteten). Dann kommt die Regierungskommission zur Gesundheitsreform zu ihrer vierten Sitzung in Berlin zusammen.

Der von der Koalition geplante Einstieg in eine einkommensunabhängige Gesundheitsprämie steht seit der Wahlschlappe von Union und FDP bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen vor gut einer Woche auf wackeligen Beinen, da das schwarz-gelbe Lager seither ohne Mehrheit im Bundesrat ist. Beobachter gehen davon aus, dass die Koalition versuchen wird, das Prämienmodell an der Länderkammer vorbei auf den Weg zu bringen.

Rösler bezeichnete die Branchenkonferenz als wichtige Drehscheibe für die Gesundheitswirtschaft, "von der wichtige Impulse ausgehen werden". Ein Schwerpunkt des Treffens ist in diesem Jahr das Thema Qualität und Innovationen. Partnerland der Konferenz ist Dänemark. Das Königreich habe sich durch erfolgreiche Projekte im Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes hervorgetan, sagte Professor Horst Klinkmann, Vorsitzender des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem Pharmaunternehmen Novo Nordisk sei zudem einer der weltweit führenden Diabetesspezialisten in Dänemark beheimatet.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sprach von der Gesundheitswirtschaft als einem wichtigen Pfeiler der Wirtschaftspolitik seines Landes. "Wir haben exzellente Voraussetzungen: ein weites Land mit viel Natur, gesunder Luft und herrlicher Landschaft." Inzwischen würden in Mecklenburg-Vorpommern rund 90 000 Menschen in der Gesundheitsbranche arbeiten. Der Jahresumsatz habe 2009 bei 3,8 Milliarden Euro gelegen.

Mecklenburg-Vorpommern profitiere vor allem vom Gesundheitstourismus, so Sellering. Eine steigende Nachfrage sei aber auch im Bereich der medizinischen Rehabilitation zu verzeichnen. Vorbildlich sei hier unter anderem ein Projekt auf der Ferieninsel Usedom. Unter dem Motto "Acht Kliniken - eine Insel" hätten sich dort acht Reha-Einrichtungen zu einem Verbund zusammengeschlossen. Ziel sei es, die Angebote für Patienten und Angehörige zu bündeln und bekannter zu machen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

Immer mehr Nichtraucher erkranken an Lungenkrebs

In US-Kliniken tauchen immer häufiger Nichtraucher mit Lungenkrebs auf, vor allem Frauen sind betroffen. Das könnte am Passivrauchen liegen. mehr »

Wer nicht hören will, den soll die Kita künftig melden

Prävention mit Drohgebärden: Künftig will das Bundesgesundheitsministerium nicht nur mit Bußgeld drohen, sondern auch die Kitas einspannen, um die Verweigerer einer verpflichtenden Impfberatung herauszufischen. mehr »