Ärzte Zeitung online, 27.05.2010

Ärzte verordnen mehr Ergotherapien

ERFURT (dpa). Verhaltensauffällige Kinder, Schlaganfallpatienten oder Krebskranke: In Deutschland werden immer mehr Menschen mit einer Ergotherapie behandelt. Die Zahl der ärztlich verordneten ambulanten Therapien ist von 2004 bis 2009 um etwa zehn Prozent gestiegen.

"Patienten werden früher aus den Krankenhäusern entlassen und Reha-Aufenthalte kürzer, das merken wir", sagte der Vorsitzende des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten (DEV), Arnd Longrée, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Die Patienten werden dann häufiger ambulant statt stationär ergotherapeutisch behandelt."

Insgesamt verordneten Ärzte im vergangenen Jahr mehr als 1,6 Millionen Ergotherapien. Dabei trainieren zum Beispiel nach Schlaganfällen oder Unfällen gehandicapte Menschen unter Anleitung Alltagsfähigkeiten wie Greifen oder Schreiben. Krebspatienten mit Gedächtnisstörungen nach einer Chemotherapie kann mit Hirnleistungstraining geholfen werden. Bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefiziten zielt die Therapie darauf ab, ihre Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Bei psychisch kranken Patienten ergänzt die Ergotherapie mit Bewegung die medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlung.

"Derzeit ist noch etwa jeder zweite Ergotherapiepatient ein Kind", sagte Longrée. Dies hänge auch mit zunehmenden Bewegungsdefiziten bei vielen Kindern zusammen, deren motorische Fähigkeiten mithilfe einer Therapie verbessert werden sollen. Der Verbandschef rechnet aber mit zunehmend mehr älteren Patienten in den Ergotherapie-Praxen. Grund seien der demografische Wandel und die mit einer älter werdenden Bevölkerung verbunden typischen Krankheiten wie Demenz oder Parkinson. "Außerdem dürfte in Zukunft mehr getan werden, um die Menschen erwerbsfähig zu halten", sagte Longrée mit Blick auf den diskutierten Fachkräftemangel und das steigende Renteneintrittsalter.

In Deutschland arbeiten etwa 35 000 Ergotherapeuten, der Großteil in Akutkrankenhäusern, Reha-Kliniken, Pflegeheimen und Werkstätten für Behinderte. Die Zahl der selbstständigen Ergotherapiepraxen beziffert der DEV auf rund 5000. Im DEV sind 12 000 Therapeuten organisiert. In Erfurt trifft sich die Berufsgruppe von Freitag bis Sonntag zu einem Fachkongress. Dazu werden rund 1000 Teilnehmer erwartet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »