Ärzte Zeitung online, 17.06.2010

14 000 protestieren gegen Aus für Medizinfakultät

In Lübeck werfen Demonstranten der Landesregierung Wortbruch vor / 1500 Studenten wären betroffen

KIEL (di). Im Norden sind Demonstrationen gegen die Sparpläne der Landesregierung derzeit an der Tagesordnung. Was sich jedoch am Mittwoch in Richtung Landtag zu bewegte, war die größte Demonstration der vergangenen Jahrzehnte in der Landeshauptstadt.

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Die Demonstranten werfen der Landesregierung in Kiel Wortbruch vor. © di

"Sparen, bis der Arzt nicht mehr kommt": Mit solchen und anderen Sprüchen warnten am Mittwoch 14 000 Menschen, die meisten von ihnen in Gelb, in Kiel vor den Plänen der Landesregierung.

Gelb ist die Farbe der Protestbewegung in Lübeck, die das Aus der Medizinerausbildung in der Hansestadt verhindern will. Hinzu kamen Studenten aus Flensburg und Mitarbeiter des Universitätsklinikums, die eine Privatisierung befürchten. Befeuert von der Opposition forderten sie Wissenschaftsminister Jost de Jager zum Rücktritt auf. Sie werfen der Landesregierung Wortbruch vor, weil im Koalitionsvertrag von CDU und FDP noch von einem Ausbau des Hochschulstandortes die Rede war. Nun sollen allein durch die Konzentration der Medizinerausbildung auf den Kieler Standort rund 25 Millionen Euro eingespart werden. Betroffen wären rund 1500 Medizinstudienplätze. Deren Wegfall würde die Versorgungsprobleme im Norden voraussichtlich weiter verschärfen.

Um das zu verhindern, wird hinter den Kulissen fieberhaft nach Alternativen ohne Landesmittel gesucht. Eine Möglichkeit ist eine Stiftung für die Universität, an der sich andere private Stiftungen aus der Hansestadt beteiligen könnten.

Über Gespräche zwischen dem Land und Bundesforschungsministerin Annette Schavan drang nichts Substanzielles nach Außen. Damit der Bund finanziell einspringen könnte, müsste die medizinische Fakultät aus der Uni herausgelöst werden.

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