Ärzte Zeitung online, 30.06.2010

Wulff wird neuer Bundespräsident

Neun Stunden Wahl / Entscheidung erst nach dem dritten Durchgang

BERLIN (nös). Christian Wulff wird der zehnte Bundespräsident der Bundesrepublik. Er konnte sich erst im dritten Wahlgang durchsetzen. Dennoch erreichte er mit 625 Stimmen die absolute Mehrheit.

Wulff wird neuer Bundespräsident

Trotz langen Wahltages: Der neu gewählte Bundespräsident Christian Wulff umarmt Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem dritten Wahlgang.

© Wolfgang Kumm / dpa

Sein Mittbewerber Joachim Gauck, der SPD und Grünen ins Rennen geschickt wurde, unterlag mit 494 Stimmen. Die Bewerberin der Linken, Luc Jochimsen, als auch der Bewerber der rechtsextremen NPD, der Liedermacher Frank Rennicke, kandidierten im dritten Durchgang nicht mehr. Die Linke hatte angekündigt, sich im dritten Wahlgang mehrheitlich zu enthalten.

Nach der Wahl sagte Wulff: Dies sei eine Wahl, "die freier nicht hätte sein können." Er freue sich, im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt worden zu sein. "All denen bekunde ich meinen Respekt, die eine andere Wahl getroffen haben." Er sei überzeugt, so Wulff mit Blick auf die Oppositionsparteien, dass es auch mit ihnen eine "gedeihliche Zusammenarbeit" geben werde. Mit Blick auf den Wahlkampf im Vorfeld der Wahl sagte Wulff: "Danken möchte ich, dass wir einen sehr fairen Wettbewerb hatten." Joachim Gauck habe er durch den Wettstreit noch mehr schätzen gelernt.

Der 51-jährige Wulff soll am Freitag in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat vereidigt werden. Er wird der jüngste Bundespräsident in der deutschen Geschichte. Der CDU-Politiker Christian Wulff führte seit 2003 eine schwarz-gelbe Koalition in Niedersachsen an. 2008 gelang dem Vizevorsitzenden der Bundes-CDU die Wiederwahl. Nach Heinrich Lübke ist er der zweite Katholik seit 1949. Er wird gemeinsam mit seiner jungen Familie ins Schloss Bellevue einziehen: Wulff hat mit seiner zweiten Ehefrau einen zweijährigen Sohn. Aus seiner ersten Ehe bringt er eine Tochter im Teenager-Alter mit.

Wulff ist der dritte Bundespräsident, der drei Anläufe für seine erfolgreiche Wahl brauchte. Vor ihm ereilte ein ähnliches Schicksal Gustav Heinemann im Jahr 1969 und Roman Herzog bei der Wahl 1994. Herzog konnte damals, so wie Wulff, die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen.

Bei der Wahl am Mittwoch erreichte zunächst keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit, die in den ersten zwei Durchgängen nötig sind. Wulff ging als Kandidat von Union und FDP als Favorit ins Rennen.

Die 644 Delegierten von Schwarz-Gelb verfügten in der Bundesversammlung über eine komfortable Mehrheit von 21 Stimmen - nötig waren 623 Stimmen der 1244 Wahlleute. Im zweiten Durchlauf erhielt Wulff 615 Stimmen, im ersten Wahlgang waren es noch 15 Stimmen weniger. Aus seinem eigenen Lager fehlten Wulff somit im ersten Wahlgang 44 und im zweiten 29 Stimmen.

Seinem Mitbewerber Gauck wurden im Vorfeld der Wahl zwar einige Stimmen aus dem schwarz-gelben Lager aber insgesamt geringere Chancen zugerechnet. Gauck kam im zweiten Wahlgang auf 490 Stimmen. Im ersten Anlauf erhielt er noch neun Stimmen mehr.

Die Kandidaten der Linken, die Bundestagsabgeordnete Luc Jochimsen, sie kam anfangs auf 126 und im zweiten Durchgang auf 123 Stimmen. Der Kandidat der rechten NPD, der Liedermacher Frank Rennicke, erhielt beide Male drei Stimmen. Beide Kandidaten galten allerdings schon vor der Wahl aussichtslos.

Bereits etliche Minuten vor der Bekanntgabe des ersten Wahlergebnisses machten Gerüchte über den Kurznachrichtendienst "Twitter" die Runde. Wulff habe bereits im ersten Wahlgang sechs Stimmen mehr als nötig erhalten, hieß es in einigen Meldungen. Auch angebliche Ergebnisse kursierten bereits, deckten sich aber nicht mit den offiziellen Zahlen.

Bei der letzten Bundespräsidentenwahl im Jahr 2009 war das Ergebnis ebenfalls vor der offiziellen Verkündung über "Twitter" durchgesickert. Damals hatten die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner und der SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber indirekt gezwitschert, Köhler habe bereits die absolute Mehrheit erreicht.

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