Ärzte Zeitung online, 21.07.2010

Lauterbach: "Rösler fällt Hausärzten in den Rücken"

BERLIN (dpa). Die SPD hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) dazu aufgefordert, Pläne zur Begrenzung der Hausarzt-Honorare zurückzunehmen. "Der Minister fällt den Hausärzten in den Rücken", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Von Basil Wegener

"Der Vorwurf der Mediziner, Rösler habe sie belogen, ist zutreffend." An diesem Mittwoch will der Hausärzteverband in Berlin eine Protestkampagne gegen das Vorhaben der schwarz-gelben Koalition vorstellen.

So wollen Union und FDP bei neuen Hausarztverträgen keine Honorarsteigerungen mehr zulassen, die über dem jeweiligen Plus bei den übrigen Ärzten liegen. Bestehende Verträge sollen Bestandsschutz erhalten.

Lauterbach warf dem Minister vor, die gesamten Hausarztverträge aufs Spiel zu setzen. "Verträge mit Mehrarbeit ohne mehr Geld sind ein Witz", sagte er. "Damit hält Rösler die Ärzte zum Narren."

Richtig wäre es nach seiner Meinung, die Qualität der Hausarztverträge zu optimieren. So sehe der Abschluss der bayerischen AOK mit den dortigen Allgemeinmedizinern nicht genug Verbesserungen vor. Vorbildlich sei der Vertrag der AOK Baden-Württemberg. Die Patienten profitierten durch mehr Krankheitsvorbeugung und mehr Sorgfalt bei Arznei-Verordnungen. Solche Verbesserungen sieht Lauterbach als bedroht an.

"Heute entscheiden sich nur etwas mehr als 30 Prozent der Medizinstudenten für eine Niederlassung als Hausarzt", sagte der SPD-Politiker zudem. "Die Bereitschaft, Hausarzt zu werden, wird nie wachsen, wenn nicht eine bessere Bezahlung kommt." Wie geplant mehr Medizinstudenten anzuwerben, helfe allein nicht weiter.

Dabei sei eine Stärkung der Hausärzte Voraussetzung dafür, das Gesundheitssystem effizienter zu machen. "Wir sparen dadurch Facharztbesuche und Krankenhauseinweisungen und können die Arzneimitteltherapie besser koordinieren." Die Kosten im Gesundheitswesen liefen auch deshalb aus dem Ruder, weil die Kassenärztliche Vereinigungen die Hausärzte in den vergangenen Jahren im Verhältnis zu den Fachärzten immer stärker benachteiligt hätten.

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