Ärzte Zeitung, 10.09.2010

Thüringen will Strategien gegen Ärztemangel besser koordinieren

In Thüringen wollen Ärzte, Kassen und Krankenhäuser an einem Runden Tisch Maßnahmen gegen Ärztemangel ausloten.

Thüringen will Strategien gegen Ärztemangel besser koordinieren

Ein Runder Tisch in Thüringen - konzertierte Aktion gegen Ärztemangel.

© moonrun / fotolia.com

ERFURT (rbü). Gemeinsam sollen Probleme besser bewältigt werden: Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag hat als Ergebnis eines gesundheitspolitischen Forums in Erfurt einen Runden Tisch gegen Ärztemangel initiiert. Es gebe eine Reihe erfolgversprechender Lösungsansätze, die jedoch sinnvoll kombiniert werden müssten, erklärte CDU-Gesundheitssprecher Christian Gumprecht. Die im Forum geäußerte Forderung nach einer deutlichen Steigerung der Vergütung - für Thüringens KV-Vorsitzende Regina Feldmann der "Knackpunkt" -, lehnte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, jedoch ab.

Seit 2007 habe Thüringen den höchsten Zuwachs in der Gesamtvergütung im Ländervergleich erhalten. Sie betonte die Notwendigkeit, die neue Honoraranpassungsformel für zwei Jahre auszusetzen, um die Finanzprobleme in den Griff zu bekommen. "Das ist zwar ein weniger an Zuwachs", so Widmann-Mauz. "Das heißt aber nicht, dass das vorherige Gesetz nicht mehr gültig ist. Es gilt nur für die zwei Jahre nicht. Danach herrscht wieder der Normalfall, nämlich die Anpassung nach Morbiditätskriterien." In der Debatte um den Ärztemangel wies Widmann-Mauz auf die Bedeutung weicher Standortfaktoren hin: "Alles steht und fällt mit attraktiven Lebensbedingungen." Darin glichen sich mittlerweile alte und neue Bundesländer. Es gebe "kein Ost-West-Problem, sondern ein Stadt-Land-Problem", das bislang wegen zu grober Raster in der Bedarfsplanung nicht angemessen erfasst werden könne, erklärte die Staatssekretärin.

Der Statistik zufolge haben in Thüringen noch nie so viele Ärzte gearbeitet wie im Jahr 2010. Allein an den Krankenhäusern sind es heute 1000 mehr als vor zehn Jahren. Das Paradoxe: Gleichzeitig sind dort 250 Stellen unbesetzt. Und noch einmal die Hälfte fehlt im niedergelassenen Bereich.

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