Ärzte Zeitung online, 17.09.2010

Kampagne gegen Sozialabbau gestartet

BIELEFELD (dpa). Zuschläge, Rentenversicherung, Elterngeld und Heizkostenzuschuss - der Bund will auch bei den Arbeitslosen sparen. "Und das ausgerechnet im Jahr 2010, das die EU zum Jahr der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung erklärt hat", sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, Werena Rosenke, in Bielefeld. Jetzt macht der Verband mobil.

"Unter dem Motto ‚Der Sozialstaat gehört allen!‘ sollen in bundesweit mehr als 70 Orten Großplakate auf die prekäre Situation hinweisen", sagte Rosenke. "Es geht um die Vorbeugung gegen den Verlust der Wohnung, um eine bessere Gesundheitsversorgung für Arme und das Auszugsverbot für junge Hartz-IV-Bezieher." Außerdem soll eine Aktionszeitung in einer Auflage von 50 000 Exemplaren verteilt werden. Am 23. September sind in 100 Städten Aktionen geplant, die zentrale Veranstaltung ist in Berlin.

Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft gibt es in Deutschland mehr als 220 000 Wohnungslose. Rund 100 000 Menschen seien von Wohnungslosigkeit bedroht. Passende Hilfsangebote könnten eine Menge bewirken, sagte Rosenke. Sie warnte vor dem Klischee, viele Wohnungslose wollten doch gar keine Hilfe. "Das ist nur eine ganz kleine Minderheit."

"In den vergangenen Jahren hat sich die Lage der Einkommensschwachen verschärft", meinte Rosenke. "Trotz ihrer Armut werden Wohnungslose für Praxisgebühr und Zuzahlung zur Kasse gebeten", kritisierte sie. Viele arme Patienten sparten deshalb an ihrer Versorgung und gingen kaum noch zum Arzt. "Damit riskieren sie ihre Gesundheit und dass die Beschwerden chronisch werden."

"Die Arbeit der rund 600 Mitglieder des Dachverbands richtet sich zunehmend auch auf die Prävention, damit die Menschen in Notlagen gar nicht erst ihre Wohnung verlieren", hob Rosenke hervor. "Denn für die Kommunen rechnet es sich nicht, wenn Menschen aus ihrer Wohnung raus müssen." Ohne Arbeit keine Wohnung und ohne Wohnung keine Arbeit: "Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden."

Website der BAG Wohnungslosenhilfe: www.bagw.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So viel jünger und attraktiver macht Facelifting

Wer sein Gesicht straffen lässt, will in der Regel jünger und dynamischer aussehen. Das scheint tatsächlich zu klappen. mehr »

Niedrig dosiert starten und langsam erhöhen!

Die neue Gesetzeslage zur Verordnung von Cannabis auf Kassenkosten ist beim Schmerz- und Palliativtag begrüßt worden. Ärzte mit Erfahrung mit Cannabinoiden loben vor allem den Erhalt der Therapiefreiheit. mehr »

Obamacare bleibt!

Blamage für US-Präsident Donald Trump: In letzter Minute zogen die Republikaner die Abstimmung über die geplante Gesundheitsreform zurück. Gerade auch, weil die Zustimmung aus den eigenen Reihen fehlte. mehr »