Ärzte Zeitung, 20.09.2010

TV-Kritik

Zusatzversicherungen nur fürs Auto, die GKV für mich

Von Florian Staeck

Zusatzversicherungen nur fürs Auto, die GKV für mich

Volker Leienbach (Direktor des PKV-Verbands), Roland Tichy (Journalist), Jens Spahn (CDU), Anne Will (Moderatorin), Karl Lauterbach (SPD) und Ines Pohl (Journalistin).

© Wolfgang Borrs / NDR

Das Fernsehprogramm am Sonntag ist ein sicherer Indikator dafür, dass die Gesundheitsreform auf die Zielgerade geht - am Mittwoch steht der Kabinettsbeschluss an. Auch die ARD-Talkshow "Anne Will" mühte sich um griffige Zuspitzung: Mit der Titel-Frage, ob Schwarz-Gelb die Zwei-Klassen-Medizin fördere, war ein Stuhl in der Talkshow schon fest besetzt: Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD, malte das Bild einer unrettbar zerbröselnden GKV, die von schwarz-gelber Klientelpolitik geschreddert wird.

Dass die seit Jahren als Alternative beschworene Bürgerversicherung bisher nicht über das Konzeptstadium herausgekommen ist, war kein Thema -  Lauterbach musste keine kritischen Nachfragen fürchten. Sein Gegenspieler Jens Spahn (CDU) schlachtete nebenbei eine heilige Kuh und erklärte, die strikte Trennlinie von GKV und PKV müsse überwunden werden. Wie ein einheitlicher Krankenversicherungsmarkt aussehen könnte, in dem es dennoch Wettbewerb gibt, das wäre einige Sendeminuten wert gewesen.

So demonstrierte in dem müden Schlagabtausch allein eine Film-Einspielung hellsichtig, wie viele Bürger für profane Dinge ihre ganz persönliche Klassengesellschaft schaffen. Autofahrer bekannten freimütig, sie hätten für Navi und Alufelgen Extrapolicen geschlossen. Sie selbst waren alle GKV-versichert - Zusatzversicherungen? I wo!

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »