Ärzte Zeitung online, 06.10.2010

"Stern"Schäuble bot Merkel Rücktritt an

BERLIN (dpa). Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat nach einem Bericht des Magazins "Stern" Kanzlerin Angela Merkel aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt angeboten. Er sei vor seinem Krankenhausaufenthalt aber von der Bundeskanzlerin überzeugt worden, sich noch einmal vier Wochen Schonzeit zu gönnen.

Ein Regierungssprecher und das Finanzministerium wollten sich auf Anfrage am Mittwoch zunächst nicht zu dem Bericht äußern. In der Spitze der Unionsfraktion hieß es, man gehe davon aus, dass Schäuble nach seiner Erholung die Amtsgeschäfte wieder übernehmen werde.

Der 68-jährige Schäuble hatte sich Anfang vergangener Woche für eine etwa vierwöchige Behandlung in ein Krankenhaus begeben. Der querschnittsgelähmte Politiker hat nach einer Operation anhaltende Probleme bei der Wundheilung. Vor seiner Behandlung hatte sich Schäuble mit einem überraschenden Kurzauftritt vor der Unionsfraktion ins Krankenhaus verabschiedet.

Nach Angaben des Magazins soll Schäuble Vertrauten gesagt haben: "Wenn ich nach vier Wochen merke, es geht nicht mehr, ziehe ich die Konsequenzen. Davon hält mich niemand ab." Schäubles Bruder Thomas wird mit den Worten zitiert, dem Minister sei es in den vergangenen Wochen oft "sauschlecht" gegangen: "Das über halbjährige Wundsein hat ihn zermürbt", sagte Thomas Schäuble dem Blatt.

Wolfgang Schäuble musste laut "Stern" selbst seinen Sommerurlaub auf Sylt immer wieder für einen Krankenhausaufenthalt unterbrechen. Schon im Frühjahr war der Minister wegen der anhaltenden Heilungsprobleme mehrfach ausgefallen.

Schäuble selbst räumt nach Angaben des Blattes mittlerweile ein, sich gegen den damaligen ärztlichen Rat nicht genug geschont zu haben. Die Ärzte hätten ihm seinerzeit zu mindestens drei Wochen Pause geraten. "Da habe ich gedacht, na schön, das kann ich auch in Etappen abliegen." Dies sei aber Selbstbetrug gewesen.

Nach Informationen des Magazins wird die Entscheidung, ob Schäuble sein Amt weiter ausübt, definitiv vom Genesungsverlauf abhängen. "Es ist nicht so, dass man mich aus dem Amt davontragen muss", soll er kürzlich einem Vertrauten gesagt haben. Er wisse schon, "dass angesichts der Häufigkeit, mit der ich in diesem Jahr doch ausgefallen bin, man sich einer Grenze nähert".

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