Ärzte Zeitung online, 17.11.2010

Jugendliche häufiger mit Vollrausch in der Klinik

HANNOVER (dpa). Kinder und Jugendliche landen immer häufiger sturzbetrunken im Krankenhaus. Im Jahr 2008 wurden nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans bundesweit fast 26 000 Mädchen und Jungen deshalb in Kliniken behandelt.

Das sei im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um etwa 11 Prozent, sagte die Drogenbeauftragte am Mittwoch in Hannover. Dort wurde eine Studie der Krankenkasse KKH-Allianz vorgestellt, die zu einem ähnlichen Ergebnis kommt.

Die meisten Klinikaufenthalte betrunkener Jugendlicher verzeichnet die Krankenkasse - im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in dieser Altersgruppe - in Bremen, die wenigsten in Hamburg.

[18.11.2010, 08:59:40]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Saufen, bis der Arzt kommt?
Biertrinken gehört zum Alltagsgeschäft ("Irgendwann er(w)frischt es Jeden!"). Höherprozentiges auch ("Jägermeister - Einer für Alle, Alle für Einen"). Wie sollen denn Kinder und Jugendliche agieren, wenn die "erwachsenen Vorbilder" versagen:

1. Bei den männlichen GKV-Versicherten von 30-50 Jahren sind bis zu 80% der stationären Krankenhauseinweisungen durch alkoholbedingte Krankheiten mit verursacht.
2. Jede Wochenende haben wir weit über 2 Millionen Erwachsener, die fußballbedingt feiern, sich betrinken und nicht nur als marodierende Fans z. T. volltrunken durch die Stadien ihrem Verein hinterherreisen.
3. In der Politik (z. B. Bundeswirtschaftswirtschaftsminister Brüderle), in der Öffentlichkeit und in den Familien wird der Alkoholkonsum bagatellisiert.
4. In der Werbung wird immer jüngeres Zielpublikum angesprochen: Alkohol (auch Alcopops!) als Lebensbegleiter, Tröster, Konfliktlöser, Spaßmacher, Aufmunterer, Partykracher.

Die Endstrecke will, wie beim raucherbedingten Bronchialkarzinom, niemand sehen: Alkoholdelir, Korsakow-Demenz, Leberzirrhose und Verbluten an Ösophagusvarizen.

Die GKV-Versicherten zahlen (mit den Arbeitgebern) für's Koma-Saufen in allen Altersgruppen mit steigenden GKV-Beiträgen. Und Wir, als Steuerzahler bzw. der Staat müssen die Versorgungs-Infrastruktur sicherstellen - für die Jungen und die Alten, die an der Flasche hängen!
Deshalb muss längerfristig ein 25-prozentiger Anteil des Alkoholsteueraufkommens (gleiches gilt für das Bronchialkarzinom-induzierende Rauchen und die Tabaksteuer) die GKV fließen.

Mit kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM in Dortmund

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