Ärzte Zeitung online, 30.12.2010

Hamburger Klinik setzt auf grüne Damen für bessere Betreuung von Dementen

HAMBURG (di). Das katholische Marienkrankenhaus in Hamburg stellt sich stärker auf Demenz kranke Patienten ein. Die steigende Zahl an Patienten macht dies erforderlich.

Hamburger Klinik setzt auf grüne Damen für bessere Betreuung von Dementen

Derzeit gibt es 60 "Grüne Schwestern" im Marienkrankenhaus; 30 von ihnen sind bereits speziell im Umgang mit Demenzkranken geschult.

© Marienkrankenhaus

Die gut gekleidete ältere Dame wirkte alles andere als orientierungslos. Zielstrebig fragte sie den vorbeikommenden Passanten nach der nächsten U-Bahn-Station. Michael Wünning, leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme im Katholischen Marienkrankenhaus Hamburg, erklärte der Dame den Weg. Erst ein unauffälliges rotes Armband verriet Wünning, dass es sich bei seiner Gesprächspartnerin um eine demente Patientin aus seinem Hause handelte. Er begleitete sie zurück in das Krankenhaus. Die Episode unterstreicht für Wünning, wie schwer Demenz im ersten Gespräch häufig zu erkennen ist.

Dies gilt auch im Klinikalltag. Von den rund 23 000 Patienten, die pro Jahr im Marienkrankenhaus behandelt werden, leiden nach Schätzungen des Krankenhauses rund 3000 an Demenz. Erkannt wird die Erkrankung bislang aber nur bei rund 1000 Patienten. Das Marienkrankenhaus stellt sich nun gezielt auf die zunehmende Zahl an Demenzkranken Patienten ein.

Um Patienten mit einer Demenz künftig frühzeitig zu erkennen, führt die Zentrale Notaufnahme ein Assessmentverfahren ein, damit die Betroffenen schneller zielgerichtete Therapien erhalten und zugleich die anderen Abteilungen des Hauses entlastet werden.

Im kommenden Jahr will das Marienkrankenhaus eine neue Abteilung mit 12 bis 14 Betten ausschließlich für Patienten mit Demenz einrichten. "Die Abteilung muss klein, überschaubar und interdisziplinär geführt sein", sagte Dr. Heinrich Bünemann, Chefarzt der geriatrischen Klinik und Tagesklinik im Marienkrankenhaus.

Er verwies zugleich auf die stark zunehmende Zahl an geriatrischen Patienten in seinem Haus. Vor zwölf Jahren hielt das Marienkrankenhaus 15 Plätze in der Geriatrie vor, heute sind dies 85 plus 15 Plätze in der Tagesklinik. Damit beansprucht die Geriatrie heute rund 25 Prozent der Gesamtkapazität des Krankenhauses. "Der Bedarf wird immer größer", sagte Bünemann.

Um das Verständnis und den Umgang mit dementen Patienten zu verbessern, hat das Marienkrankenhaus das Projekt Demenzlotsen ins Leben gerufen. Hierfür werden ehrenamtlich tätige so genannte grüne Schwestern speziell für den Umgang mit Demenzkranken geschult. Von den insgesamt 60 grünen Schwestern im Haus haben sich bereits 30 schulen lassen.

Auch von den professionellen Beschäftigten im Haus erfordern Demenzpatienten erhöhte Aufmerksamkeit. Dennoch strebt das Marienkrankenhaus feste Bezugspersonen für die Dauer des Aufenthaltes der dementen Patienten an.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der neuen Schwerpunktsetzung des Hauses ist das oft wechselnde oder nicht vorhandene Schmerzempfinden der Demenzpatienten. Deshalb arbeitet ein interdisziplinär besetztes Palliativ Care Team im Haus an einer optimalen Betreuung.

Das Marienkrankenhaus ist nach dem Albertinen, Bethanien und dem Asklepios-Krankenhaus Nord das vierte Haus in Hamburg, das eine spezielle Abteilung für Demenzkranke errichtet

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