Ärzte Zeitung, 25.11.2010

Arztberuf ist attraktiver geworden - aber bleibt das so?

Die letzten Jahre waren gut für die Ärzte, es ging wirtschaftlich aufwärts. Jedoch befürchtet eine Mehrheit der Mediziner, dass die Attraktivität ihres Berufs abnimmt.

Arztberuf ist attraktiver geworden - aber bleibt das so?

Von Helmut Laschet

BERLIN (HL). Der Wohlstand aller Ärzte ist in den vergangenen Jahren gewachsen, am meisten bei den Kliniken, am wenigsten bei den Hausärzten. So schätzen Ärzte selbst ihre Lage ein.

Dass es angesichts der im Rahmen des GKV-Finanzierungsgesetzes beschlossenen Begrenzungen für die Honorare in Hausarztverträgen zu Protesten kommt, dafür hat eine große Mehrheit von 70 Prozent der Kollegen Verständnis.

Kontrovers unter den Ärzten werden die aus der letzten Honorarreform resultierenden regionalen Umverteilungswirkungen beurteilt. Ist es sinnvoll, regionale Unterschiede etwa bei den Kosten zu berücksichtigen?

Die Pro und Kontra-Lager sind mit 48 (sinnvoll) gegen 49 Prozent (nicht sinnvoll) gleich stark. Aber mit einem klaren Ost-West-Unterschied: Die Ärzte in den neuen Bundesländern sind gegen eine stärkere regionale Differenzierung - sie fürchten offenbar eine Redistribution von Honoraren zu ihren Lasten Richtung Westen.

Für drei Viertel der niedergelassenen Ärzte sind Privatpatienten wichtig für den (wirtschaftlichen) Erfolg der Praxis. Tendenz: zunehmend.

Besonders ausgeprägt ist dies bei den Fachärzten, von denen 60 Prozent den Privatpatienten eine sehr hohe Bedeutung zumessen. Und 73 Prozent der Ärzte sagen, sie und ihre Kolegen bemühten sich um Privatpatienten stärker als um gesetzlich Versicherte.

Von 50 auf 57 Prozent ist der Anteil der Ärzte binnen eines Jahres gestiegen, der den Arztberuf für attraktiv hält. Aber nur ein Drittel glaubt, dass dies von Dauer sein wird. Unverändert 56 Prozent fürchten eine abnehmende Attraktivität.

Konstant 35 Prozent der niedergelassenen Ärzte klagen über Zeitdruck; deutlich gebessert hat sich dies in den Kliniken, wobei allerdings der Anteil der Ärzte, die sich unter Zeitdruck fühlen, mit 44 Prozent immer noch hoch ist.

Wichtigster Grund dafür: Ärztemangel. 46 Prozent sagen, es gebe ihn schon jetzt, weitere 42 Prozent befürchten das für die Zukunft. Hauptgründe dafür: Starke Reglementierung (86 Prozent), hohe Arbeitsbelastung (83 Prozent) und die Einkommenssituation (82 Prozent), aber auch mehr Frauen im Beruf.

Alle Berichte zum Gesundheitsreport 2010:
Im Gesundheitswesen steigt die Stimmung - bei Ärzten und bei Bürgern
Gute Noten für die Gesundheitsversorgung
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