Ärzte Zeitung, 07.12.2010

BGH veröffentlicht Begründung zum Brechmittelprozess

BGH veröffentlicht Begründung zum Brechmittelprozess

Das Brechmittel Ipecacuanha hatte der Polizeiauftragsarzt dem Kleindealer mit mehreren Litern Wasser in den Magen gepumpt.

© dpa

BREMEN (cben). Neuer Anlauf im Bremer Brechmittelprozess: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im Fall des Todes eines Afrikaners in Bremen nach dem Einsatz von Brechmitteln den Freispruch des beteiligten Arztes aufgehoben und jetzt die Begründung veröffentlicht. Der BGH hat den Fall an das Bremer Landgericht zurückverwiesen. Die Bremer Staatsanwaltschaft will aber nicht ermitteln.

Der Fünfte Senat des BGH hatte erklärt, der Angeklagte habe "den Betroffenen nicht über gesundheitliche Risiken bei zwangsweisem Brechmitteleinsatz aufgeklärt und nach einer ersten Ohnmacht unter menschenunwürdigen Umständen weitergehandelt." Im Jahr 2004 war der 35-jährige Afrikaner C. gestorben, nachdem ihm zwangsweise Brechmittel und Wasser eingeflößt worden war, um verschluckte Drogenpäckchen sicher zu stellen.

Das Landgericht Bremen habe in seinem Urteil die Sorgfaltspflichten des beteiligten Arztes nicht angemessen bewertet, heißt es in einer BGH-Erklärung. Der Arzt sei "unerfahrenen und mit einem solchen Eingriff stark überfordert" gewesen.

Der Verdächtigte hatte sich geweigert, das Brechmittel zu trinken, darauf ordnete die Polizei den Eingriff per Magensonde an. Ein alarmierter Notarzt lieferte den Patienten später mit der Diagnose "Hirntod durch Ertrinken" in eine Bremer Klinik ein.

Auch den Notarzt und die Organisatoren des ärztlichen Beweismittelsicherungsdienstes sieht der BGH als "bisher unbehelligt gebliebene Nebentäter".

Beim Bremer Landgericht hieß es, nun sei die Staatsanwaltschaft gefragt. "Wir werden kein Ermittlungsverfahren einleiten", sagte dazu der Bremer Oberstaatsanwalt Jörn Hauschild, "denn man kann dem Arzt nicht nachweisen, den Tod des Afrikaners billigend in Kauf genommen zu haben." Ob die Staatsanwaltschaft gegen den Notarzt als Mittäter ermitteln werde, ließ Hauschild offen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »