Ärzte Zeitung, 01.02.2011

Kommentar

Zu viel teure Diagnostik?

Von Helmut Laschet

Bei der Zahl der MRT-Untersuchungen liegt Deutschland weltweit an der Spitze, bei CT-Untersuchungen im Mittelfeld. Die Barmer GEK sieht darin den Ausweis medizinischer Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitswesens. Aber das ist nur eine Teilwahrheit.

Denn die überwiegenden Kosten dieser Diagnostikverfahren, die sich der Zwei-Milliarden-Euro-Grenze nähern, sind Bestandteil der vertragsärztlichen Gesamtvergütung - und die hat trotz Morbiditätsanbindung nach wie vor einen Deckel.

Die jährlichen Steigerungsraten von 4,8 Prozent bei CT-Untersuchungen und 7,1 Prozent für MRT-Leistungen zwischen 2004 und 2009 sind daher nicht überwiegend von den Krankenkassen, sondern von den Vertragsärzten selbst durch Umverteilung von Honorar finanziert worden.

Zu viel teure Diagnostik also? Die Antwort auf diese Frage müssen sich Ärzte selbst beantworten. Auf der Individualebene bei der Indikationsstellung.

 Dazu ist es aber auch notwendig, mehr wissenschaftliche Unterfütterung für den therapeutischen Nutzen solch kostenträchtiger Diagnostik zu bekommen. Die Beantwortung dieser Frage ist ökonomisch wie medizinisch im Interesse der Ärzte.

Lesen Sie dazu auch:
Deutschland ist Weltmeister bei MRT-Untersuchungen
Starker Anstieg bei der Kernspintomografie

[02.02.2011, 10:23:57]
Bernhard Seuling 
gilt nur für die GKV
Vielleicht sollte der Kommentator auch einmal die PKV-Seite betrachten.

Hier gibt es keinerlei Budget und Patienten werden massenweise zum CT und MRT geschickt.

Erst vor kurzem habe ich den Satz eines Artzes gehört: Wenn ich den 3-D-Zuschlag für Ultraschall nicht bekomme, dann schick ich den Patienten halt zum Kernspin.

Ich denke im Bereich der PKV wird hier viel zu viel durchleuchtet.  zum Beitrag »
[02.02.2011, 09:54:43]
Dr. Peter Haas 
Zu viel teure Diagnostik? Deutschland ist Weltmeiser bei MRT. und CT-Untersuchungen.
Das liegt m. E. auch an den Rahmenbedingungen. Jeder Arzt kann die Unter-
suchungen veranlassen. Früher mussten sie begründet werden.
Eine adäquate Behandlung ist unter den gegebenen Budgetierungen kaum
noch möglich.Konventienelle Röntgen ist massiv beschnitten worden.
Budget pro Patient und Quartal bei Orthopäden zwischen 3,50 € und 4,50€!
egal wieviel Röntgenuntersuchungen notwendig sind. Patienten werden so eben früher und unkritischer zum Ct bzw. MRT "abgeschoben".
Das ganze hat aber auch forensische Gründe bei zunehmender "Amerikanisierung" des Klimas in unserem Gesundheitssystem mit zunehmender
Prozessbereitschaft der Patienten und der Anwälte. Und die Politik schafft
dafür die Rahmenbedingungen zum Beitrag »

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