Ärzte Zeitung, 14.02.2011

Kommentar

Wahlkampf der Höflichkeiten

Von Dirk Schnack

Hamburgs CDU-Gesundheitssenator Dr. Dietrich Wersich kann eine gute Bilanz vorweisen. Das gilt für die Bekämpfung des Drogenmissbrauchs bei Kindern und Jugendlichen genauso wie für die Förderung der Krankenhäuser in der Hansestadt. Selbst der politische Gegner bescheinigt dem Arzt Wersich gute Arbeit.

Dass ein SPD-Politiker seinem CDU-Kontrahenten mitten im Wahlkampf gratuliert, zeigt wie sicher sich die Sozialdemokraten in Hamburg kurz vor der Wahl fühlen. Fraglich ist, ob ein solches Lob in einem anderen, von der Politik als wichtiger eingeschätztem Thema möglich gewesen wäre. Denn Gesundheitspolitik spielt auch im aktuellen Hamburger Wahlkampf praktisch keine Rolle.

Das liegt auch daran, dass die Versorgung in der Metropole erstklassig ist. Wersich hat dazu beigetragen, indem er den Kliniken durch massive finanzielle Förderung eine Hochrüstung ermöglicht hat. Die niedergelassenen Ärzte spüren die Kehrseite dieser Medaille: die Klinikträger in Hamburg drängen stärker in den ambulanten Bereich vor. Besonders private Konzerne expandieren rücksichtslos auf Kosten der niedergelassenen Fachärzte. Rezepte gegen diese Entwicklung hat Wersich in seiner Amtszeit nicht gefunden.

Lesen Sie dazu auch:
Eher norddeutsch unterkühlt als hitzig

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »