Ärzte Zeitung online, 15.03.2011

Sieben deutsche AKW werden zunächst abgeschaltet

BERLIN/DÜSSELDORF (dpa). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich mit den Ländern darauf verständigt, dass die sieben vor 1980 gebauten Kernkraftwerke vorübergehend abgeschaltet werden.

Dies betreffe jedoch nur die drei Monate, in denen die Laufzeitverlängerung ausgesetzt wird, sagte Merkel am Dienstag in Berlin nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atomkraftwerken.

Zudem bleibt das 1983 ans Netz gegangene und nach Pannen abgeschaltete AKW Krümmel in Schleswig-Holstein vom Netz getrennt. Damit werden in Deutschland in den nächsten drei Monaten nur noch neun Atomkraftwerke Strom liefern.

Die vom Netz gehenden, aber auch die anderen Anlagen sollen nun eingehenden Sicherheitschecks unterzogen werden. Die Kanzlerin hatte am Montag eine dreimonatige Aussetzung der von Union und FDP beschlossenen Laufzeitverlängerung angekündigt.

Die vorübergehende Abschaltung betrifft die AKW Neckarwestheim I, Philippsburg I (Baden-Württemberg), Biblis A und B (Hessen), Isar I (München), Unterweser (Niedersachsen) und das ohnehin stillstehende AKW Brunsbüttel (Schleswig-Holstein). Die deutschen Atommeiler lieferten zuletzt rund 23 Prozent des Stroms.

Der größte deutsche Energiekonzern Eon gab unterdessen bekannt, dass sein ältestes Kernkraftwerk Isar 1 in Bayern vom Netz gehen soll. Für die Dauer des von der Bundesregierung angekündigten Moratoriums werde der Betrieb der Anlage unterbrochen, teilte Eon am Dienstag in Düsseldorf mit.

Eon wolle mit dieser Entscheidung eine "offene und kritische Bewertung" durch die zuständigen bayerischen Aufsichtsbehörden erleichtern, erklärte Vorstandschef Johannes Teyssen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sprach am Dienstag von einem "emotionalen Ausnahmezustand" für die Bürger angesichts der Bilder von der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Bund und Länder gehen davon aus, dass sie rechtliche Handhabe für ihre Maßnahmen haben.

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