Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 19.04.2011

Qualitätsoffensive mit dem Sezier-Skalpell

Obduktionen verbessern die Qualität der Diagnosen und der Behandlungen, sagt auch die Bundesärztekammer. Eine Reihe von Kliniken will daher die Zahl der Obduktionen künftig in ihren Qualitätsberichten aufführen.

Von Anno Fricke

Qualitätsoffensive mit dem Sezier-Skalpell

Studentinnen sezieren ein Gehirn. Ihre Erkenntnisse können ihnen später bei der Diagnostik helfen.

© momentphoto / imago

BERLIN. Obduktionen bergen für Ärzte immer wieder Überraschungen. Die klinische Diagnose und der Obduktionsbefund weichen häufig voneinander ab.

Die Zahl der Fehleinschätzungen lässt sich verringern, je mehr Obduktionen in einem Krankenhaus vorgenommen werden. Davon ist Professor Werner Schlake, der Präsident des Bundes Deutscher Pathologen überzeugt.

Gestützt wird diese Auffassung von der "Görlitzer Studie". Im Krankenhaus Görlitz wurden 1987 nahezu alle Verstorbenen obduziert. Dabei zeigte sich, dass die volle Übereinstimmung zwischen Diagnose und Befund bei lediglich 41 Prozent lag.

Als der Test 2007 wiederholt wurde, deckten sich die Ergebnisse zu immerhin rund 60 Prozent. Die Zahl der völligen Fehleinschätzungen hatte sich auf 18 Prozent halbiert.

"Gehen Sie dahin, wo viel obduziert wird", empfiehlt Schlake daher Patienten, die sich über die Qualität einer Klinik informieren. Er gehört zu der wachsenden Zahl von Medizinern, die vermuten, dass sich die diagnostischen Fähigkeiten der Krankenhausärzte mit der Zahl der Obduktionen entwickelt.

Sein Rat an die Patienten läuft allerdings ins Leere. Angaben zur Obduktionsrate sucht man in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser bislang vergebens. Die Initiative Qualitätsmedizin, der 132 Kliniken aus Deutschland und der Schweiz angehören, will dies nun ändern und die Obduktionsrate in den angeschlossenen Häusern messen lassen. Sie repräsentieren eigenen Angaben zufolge einen stationären Versorgungsanteil von 2,15 Millionen Patienten.

Die Initiative erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Zahl der Obduktionen in Deutschland abnimmt. Die Gründe sind nicht ganz klar .

Es gibt keine gesetzliche Regelung dazu, die Obduktionen sind daher kein Teil der Qualitätssicherung. Die Ärzte selbst sind unter Umständen nicht daran interessiert, ihre diagnostische Trefferquote überprüfen zu lassen. Das gilt aber nicht für alle.

Am meisten obduziert werde in kardiologischen Kliniken, sagt Gisela Kempny vom Pathologenverband. Im Wettbewerb sei Reputation ein wichtiger Faktor. Obduktionen brächten für die Spezialisten Aufklärung über die Qualität von OP-Techniken.

Mehr Obduktionen könnten außerdem die Zahl entdeckter Tötungsdelikte erhöhen, aber auch Tatverdächtige entlasten, schätzt Professor Schlake. Jede zweite gerichtlich angeordnete Obduktion ende mit dem Feststellen eines natürlichen Todes unter ungewöhnlichen Umständen.

Lesen Sie dazu auch:
Obduktionen führen zu mehr Qualität

[23.04.2011, 19:06:50]
Dr. Olga Potuzhek 
Sezieren
ich liebte das Sezieren,sowohl bei anatomischen Präparaten als auch in der pathologischen Anatomie.Ich studierte in Wien und promovierte 1958.Also wahrlich ein altes Semester.Leider gibt es in Wien kein Intersse an gemeinsamen Gesprächen.Jeder geht seinen eigenen Weg.Ich werde mich im Facebook oder im Twitter umschauen müssen.Sogar ElisabetII. hat eine eigene Facebookseite.Mit kollegialen Grüßen! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »