Ärzte Zeitung online, 30.04.2011

Sachsen-Anhalt hofft auf Ärzte aus dem Osten

Am 1. Mai öffnen sich die Grenzen für Arbeitnehmer aus den osteuropäischen EU-Beitrittsländern von 2004. Vor allem Gewerkschaften sehen das kritisch. In Sachsen-Anhalt gewinnt man der Öffnung vor allem Positives ab: Das Land erhofft sich einen Zustrom neuer Ärzte.

Sachsen-Anhalt hofft auf Ärzte aus dem Osten

Bischoff: Großes Interesse an Ärzten, die auch dauerhaft bleiben.

© dpa

MAGDEBURG (dpa). Die Öffnung des Arbeitsmarktes für Arbeitnehmer aus Osteuropa kann nach Ansicht von Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) auch zur Linderung des Ärztemangels in seinem Land beitragen.

"Ich hätte Interesse daran, wenn Ärzte zu uns kommen, dass sie dauerhaft bei uns bleiben und nicht nach ein paar Jahren wieder weggehen", sagte Bischoff der Nachrichtenagentur dpa.

Der Bedarf an Medizinern sei groß, vor allem auf dem Land. "Den werden wir mit eigenen Ärzten so schnell nicht decken können." In Sachsen-Anhalt fehlen aktuell etwa 700 Mediziner.

"Es wäre ein Riesenvorteil, wenn durch die Freizügigkeit am Arbeitsmarkt der eine oder andere Arzt sagt, es ist viel leichter hier herzukommen", sagte Bischoff. Wenn Ärzte aus Osteuropa auch mit Familien kämen, wäre dies besonders gut.

Bischoff: "Junge Menschen und Familien mit Kindern bereichern das Leben in unseren Regionen. Mit unserer gut ausgebauten Kinderbetreuung können wir dazu beitragen, dass diese jungen Fachkräfte wirklich auf Dauer in Sachsen-Anhalt bleiben."

Voraussetzung für eine Zuwanderung von Fachkräften seien aber bundesweite Erleichterungen und einheitliche Regelungen, damit zum Beispiel Abschlüsse von Ärzten und weiteren Fachkräften aus den osteuropäischen EU-Ländern in Deutschland unbürokratisch anerkannt werden, sagte der Sozialminister.

Bundesweit wird laut Schätzungen mit etwa 150.000 Zuwanderern gerechnet, die mit der Öffnung des Arbeitsmarktes jährlich nach Deutschland kommen könnten.

Für Sachsen-Anhalt rechnet Bischoff mit weniger als 3000 Menschen. Ähnlich wie Wirtschaftsforscher erwartet er, dass die Arbeitnehmer aus Polen oder Tschechien vor allem in den alten Bundesländern einen Job suchen.

Dort gebe es mehr Arbeitsplätze, die Bezahlung sei besser und oftmals seien dort schon Landsleute. "Ich glaube, dass die Gefahr der Verdrängung von Arbeitsplätzen für Sachsen-Anhalt nicht das Problem darstellen wird", sagte Bischoff.

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