Ärzte Zeitung, 05.05.2011

Werbeoffensive für junge Ärzte zeigt Erfolg

In Hessen sollen junge Ärzte aufs Land gelockt werden. Dazu wurde extra ein Weiterbildungsverbund gegründet. Die ersten Jungmediziner haben die Chance ergriffen.

Von Sabine Schiner

Werbeoffensive für junge Ärzte zeigt Erfolg

Um junge Mediziner für den Beruf des Hausarztes auf dem Land zu interessieren, wurde im Main-Kinzig-Kreis ein Weiterbildungsverbund gegründet.

© [M] Noam Armonn / shutterstock.com | Plocinik

SCHLÜCHTERN. Seit einem halben Jahr arbeitet die angehende Allgemeinärztin Stephanie Krack in den Main-Kinzig-Kliniken in Schlüchtern. Sie ist eine von drei Ärzten, die sich für eine Ausbildung in Form eines Weiterbildungsverbundes entschlossen haben. "Das Konzept ist ein Glücksfall für mich", sagt die 28 Jahre alte Medizinerin.

Das Weiterbildungsangebot ist Teil einer Werbeoffensive, um junge Mediziner für den Beruf des Hausarztes auf dem Land zu interessieren. Vertreter der Main-Kinzig-Kliniken, des Hausärzteverbands und des Ärztenetzes Spessart haben ein Curriculum entwickelt, um eine Weiterbildung aus einer Hand anzubieten.

Dazu arbeiten Kliniken und Praxen eng zusammen. Drei Jahre verbringen die Mediziner während der praktischen Ausbildung in den Kliniken in Gelnhausen und Schlüchtern und zwei Jahre in einer Hausarztpraxis.

"Es gibt eine Art Stundenplan", beschreibt Stephanie Krack ihre ersten Erfahrungen. Direkt nach der Uni sei es angenehm, von erfahrenen Kollegen angeleitet zu werden. Sie will sich später in einer Gemeinschaftspraxis niederlassen - und eine Familie gründen.

Das geht ihrer Meinung nach nicht als Einzelkämpferin. Auch ihr Kollege Ingo Roth (25) lobt den Verbund. "Ich muss mich nicht um verschiedene Stellen im Ein- oder Zweijahresrhythmus kümmern, die vielleicht auch noch weit voneinander entfernt liegen", sagt er. "Das bringt mir Sicherheit und Stabilität."

Grundlage des Curriculums ist die Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin, abgeschlossen von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der KBV und dem GKV-Spitzenverband. Ziel ist, die hausärztliche Versorgung nach Paragraf 73 b SGB V langfristig zu sichern.

Dazu gehört auch eine angemessene Vergütung. Im stationären Bereich sind dies mindestens 1750 Euro während des Klinikeinsatzes, im ambulanten Bereich stellen die Kostenträger pro Stelle 1750 Euro zur Verfügung, die KV schießt 1750 Euro dazu.

Für Stephanie Krack war es kein Problem, aufs Land zu gehen. Ihr Heimatdorf ist 25 Kilometer von Schlüchtern, ihrem jetzigen Arbeitsort, entfernt. "Während des Studiums und des PJ habe ich mich in der Welt umgesehen - und mich für die Region um Schlüchtern entschieden."

Ursprünglich wollte sie Chirurgin werden. Doch Familie und Beruf seien mit den Arbeitszeiten im OP nicht zu vereinen. Zudem kommt die Allgemeinmedizin ihrem Verständnis von Medizin entgegen. "Ich möchte die Patienten längere Zeit betreuen."

Wie das konkret aussieht, lernt sie im zweiten Teil in einer der Weiterbildungspraxen. Bei Dr. Dietmar Schultheis liegen beispielsweise die Schwerpunkte auf Kinderheilkunde, Innere Medizin, Prävention. Schultheis ist einer der Initiatoren des Verbunds, und hat erst kürzlich die Werbebroschüre dazu erstellt.

Er hofft, dass das Konzept gegen den Ärztemangel auf dem Land fruchtet. Seine Erwartungen sind eher verhalten: "Wir wären schon froh, wenn es uns gelingt, Ärzte, die aus der Region kommen, dazu zu bringen, in ihrer Heimat zu bleiben."

Stephanie Krack weiß, dass der Beruf der Allgemeinmedizinerin ein Fulltime-Job ist. Sie kann sich gut vorstellen, die Arbeit in einer Gemeinschaftspraxis mit Kollegen zu stemmen. Kinder zu bekommen und den Arztberuf aufzugeben, kann sie sich nicht vorstellen.

Dazu dauere die Ausbildung viel zu lange und dazu ist sie auch mit zu "viel Herzblut" dabei. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegt auch Ingo Roth am Herzen. "Ich bin selbst Familienvater und denke, dass es schon einige Vorteile hätte, sein eigener Chef zu sein."

www.aerztenetz-spessart.de und www.hausärzte-hessen.de

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