Kongress, 10.05.2011

Arzt, Wissenschaftler, Manager und Lehrer

Seit elf Jahren leitet Axel Ekkernkamp das Deutsche Ärzteforum beim Hauptstadtkongress. Nur eine Aufgabe von Dutzenden, die der Chef des Unfallkrankenhauses Berlin mit Erfolg ausfüllt. Bodenständig und herzlich ist er trotzdem geblieben.

Von Thomas Hommel

Arzt, Wissenschaftler, Manager und Lehrer

In der Gesundheitsszene gut vernetzt: Professor Axel Ekkernkamp, Wissenschaftlicher Leiter des Ärzteforums beim Hauptstadtkongress

© Bauchspieß

BERLIN. Nur wenige Ärzte können wohl von sich behaupten, Ehrendoktor der Universität Pjöngjang zu sein. Axel Ekkernkamp kann. Weil er Mediziner aus Nordkorea an seiner Klinik ausbilden lässt, bekam Ekkernkamp 2007 die Auszeichnung.

Auf den Hinweis, dass Pjöngjang das Machtzentrum eines international isolierten Regimes ist, reagiert der gebürtige Ostwestfale gelassen. Sein Engagement geschehe aus humanitären Gründen, nicht den kommunistischen Machthabern zuliebe.

Mit jedem Unfallchirurgen, den er ausgebildet nach Nordkorea zurückschicke, helfe er den Menschen vor Ort. Das zähle für ihn.

Ärztemangel? - Ekkernkamp sieht das differenziert

Axel Ekkernkamp ist ein Tausendsassa, ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen, der trotz vieler Ämter und Ehren freundlich und bodenständig geblieben ist: Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin, eines der modernsten Krankenhäuser in Europa, Professor für Unfallchirurgie in Greifswald und Thái Binh in Vietnam, Oberstarzt der Reserve, Gründungsmitglied der Initiative Qualitätsmedizin, Vorstandsmitglied der Berliner CDU, Buchautor.

Ekkernkamp hat zahlreiche Auszeichnungen verliehen bekommen, darunter das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Er engagiert sich in Fachgesellschaften und ist Mitherausgeber eines Gesundheitswirtschafts-Magazins.

Er hat in der Herzog-Kommission für Soziale Sicherheit mitgewirkt und als Mitglied der Bundesversammlung an der Wahl zweier Bundespräsidenten teilgenommen. Und als wäre das nicht genug, steht Ekkernkamp seit elf Jahren dem Ärzteforum beim Hauptstadtkongress als wissenschaftlicher Leiter vor.

Das Forum, das den Arzt als "Heiler und Manager" zum Adressaten hat, habe inzwischen einen festen Platz im Fortbildungskalender der Mediziner gefunden, freut sich Ekkernkamp. 1000 und mehr Teilnehmer sind ihm Beleg dafür. Dass so viele Ärzte nach Berlin reisen, um sich auszutauschen, hat auch mit der Referentenliste zu tun, die das Ärzteforum ziert und die sich wie ein Who-is-Who der Zunft in Weiß liest.

Bestens vernetzt in der Gesundheitsszene

Spätestens hier zahlt sich aus, dass Ekkernkamp in der Gesundheitsszene bestens vernetzt ist. Jahr für Jahr gelingt es ihm, renommierte Kollegen ins Berliner ICC zu holen, die über Neues aus der Welt der Medizin berichten.

Mal geht es um den Zusammenhang zwischen einem "kleinen Loch" im Herzen und Migräne-Attacken im Kopf, mal um neue orthopädische Verfahren, mit denen Gelenke erhalten und Prothesen vermieden werden können.

Dieses Jahr ist es die Demenz in ihrer "heilbaren Form", die das Interesse der Ärzte wecken und die gesundheitspolitische Debatte anheizen soll - denn gefragt wird auch, ob neue Behandlungsmöglichkeiten womöglich aus Kostengründen abgewürgt werden.

Sein "Spross", wie Ekkernkamp das Ärzteforum liebevoll nennt, wolle eben nicht nur fachlich, sondern auch politisch auffallen. "Medizin findet ja nie im luftleeren Raum statt", schickt er zur Begründung hinterher. Und weil das so ist, geht es auf dem Kongress um die Zukunft der Medizinischen Versorgungszentren, Risikomanagement in Kliniken und Praxen, die neue Aufgabenteilung zwischen Ärzten und Pflegenden, Honorarärzte als Fluch oder Segen in Zeiten von Personalknappheit.

Und natürlich bleibt auch der Blockbuster der aktuellen Reformdebatte, der "Ärztemangel", nicht unberücksichtigt im Programm.

Aus der Tatsache, dass er bei diesem Thema nicht ganz auf Linie mit seinen Standesvertretern liegt, macht Ekkernkamp keinen Hehl. Während Kassenärztliche Bundesvereinigung und Bundesärztekammer seit Monaten vor einem Versorgungskollaps wegen fehlender junger Ärzte warnen, rät Ekkernkamp dazu, das Thema sachlich anzugehen. "Wir sollten nicht pauschal von einem Mangel oder aber einer Ärzteschwemme reden."

Es liegt an Kliniken selbst, ob sie Ärzte bekommen

Dringend geschehen müsse etwas im ambulanten Sektor - vor allem auf dem Land fehle es an Hausärzten. Das Gros der Krankenhäuser könne sich dagegen nicht über Nachwuchsprobleme beklagen.

"Die Ärzte strömen in großer Zahl in die Kliniken - vorausgesetzt, die Häuser haben den jungen Leuten etwas zu bieten und nehmen deren Bedürfnisse wie Vereinbarkeit von Weiterbildung, Beruf und Familie ernst." Ekkernkamp muss für solche Sätze viel Kritik der Kollegen einstecken.

"Selbstgefällig" und "realitätsfremd" sind dabei noch die angenehmsten Adjektive. Beirren lässt er sich davon nicht. "Ich bleibe dabei: Eine Klinik mit exzellentem Ruf muss sich keine Sorgen machen, dass sich nicht genügend Ärzte auf freie Stelle bewerben."

Um die Attraktivität der Arbeitsplätze an seinem eigenen Haus weiter zu steigern, installiert Ekkernkamp gemeinsam mit der Dussmann-Gruppe gerade eine Kita auf dem Gelände der Klinik. Ab 1. Juni bietet die Einrichtung Platz für 80 Kinder - die der Mitarbeiter, versteht sich. Die Kita ist täglich auch in der Ferienzeit bis 22.30 Uhr geöffnet. Betreut wird in Deutsch und Englisch.

"Das ist ein Mehrwert für Familien", findet Ekkernkamp. Dass er seiner Vita demnächst ein weiteres Tätigkeitsfeld, das des Erziehers, hinzufügt, dürfte aber ausgeschlossen sein.

Professor Dr. med. Axel Ekkernkamp

Aktuelle Position: Ärztlicher Direktor am Unfallkrankenhaus Berlin seit 1997; seit 1999 Inhaber des Lehrstuhls für Unfallchirurgie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald.

Werdegang/Ausbildung: geboren als Sohn eines Kaufmannes am 17. August 1957 in Bielefeld; Medizinstudium in Münster und Bern, 1983 Staatsexamen.

Karriere: Nach Approbation und Promotion 1992 Habilitation an der der Ruhr-Uni Bochum. Viele Ehrenämter: Gründungsmitglied der Initiative Qualitätsmedizin, Vorstandsmitglied der Berliner CDU, Herausgeber eines Gesundheitswirtschaft-Magazins.

Privates: Liest gerne Krimis und Biografien und begeistert sich für Fußball.

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