Ärzte Zeitung online, 01.06.2011

Nach Atomunfällen werden mehr Jungen geboren

MÜNCHEN (eb). Nach nuklearen Unfällen oder Atomtests, in denen größere Mengen von Radioaktivität freigesetzt wurden, sind offenbar verhältnismäßig mehr Jungen als Mädchen geboren worden.

Nach Atomunfällen werden mehr Jungen geboren

Nach atomaren Vorfällen kämen in den betroffenen Gebieten anteilsmäßig mehr Jungen als Mädchen zur Welt, fanden Wissenschaftler heraus.

© Stephanie Barbary / shutterstock.com

Das geht aus einer Studie von Dr. Hagen Scherb und Dr. Kristina Voigt vom Helmholtz Zentrum München hervor (ESPR 2011; 18: 697-707).

Die Wissenschaftler untersuchten die Geburtsstatistiken vor und nach atomaren Vorfällen im Hinblick auf das Geschlecht der Neugeborenen und verglichen sie.

Berücksichtigt wurden die Atombombentests vor dem Atomteststoppvertrag im Jahr 1963 und die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986.

39 Europäische Länder und USA ausgewertet

Die Studie umfasste die Daten von 39 europäischen Ländern sowie die der USA. Außerdem nahm das Forscherteam die Babys unter die Lupe, deren Eltern im Umkreis von deutschen oder Schweizer Atomkraftwerken lebten bzw. leben.

Scherb und Voigt stellten nach eigenen Angaben fest, dass in allen drei Fällen relativ mehr Jungen als Mädchen geboren wurden. Sie vermuten, dass die ionisierende Strahlung sich auf das Geschlechterverhältnis der Neugeborenen auswirkte.

1987: Mehr Jungen als Mädchen in Europa - aber nicht in den USA

Zum Beispiel hätten 1987, also ein Jahr nach der Katastrophe von Tschernobyl, in Europa verhältnismäßig mehr männliche als weibliche Nachkommen das Licht der Welt erblickt. In den Vereinigten Staaten sei dieser Effekt nicht zu beobachten gewesen, was daran liegen könnte, dass die USA nicht so stark wie Europa belastet worden waren.

"Unsere Ergebnisse tragen dazu bei, die etablierte und vorherrschende Meinung zu widerlegen, dass erbgutschädigende Effekte ionisierender Strahlung bei Menschen erst noch nachgewiesen werden müssten. Wir fanden deutliche Hinweise dafür, dass der menschliche Gen-Pool durch künstliche ionisierende Strahlung beeinträchtigt wird", stellten Scherb und Voigt in der Schlussbemerkung fest.

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