Ärzte Zeitung online, 30.06.2011

Nuklearärzte jubeln: Technetium kommt bald aus Garching

Der letzte große Engpass hatte vor über einem Jahr weltweit Aufsehen erregt: Nuklearmediziner mussten Diagnosen absagen, da das wichtige Radioisotop Technetium-99m weltweit knapp geworden war. Ab 2014 soll das nicht mehr passieren, dann wird das Nuklid bei München hergestellt.

GARCHING/WOLFENBÜTTEL (nös). Freude bei den deutschen Nuklearmedizinern: Nach jahrelangem Tauziehen und Versorgungsengpässen bei dem Radionuklid Technetium-99m ist nun eine wichtige Weiche gestellt. Ab 2014 soll das Mutternuklid für das wichtige Isotop in Garching bei München produziert werden.

Lange war die Finanzierung für die nötigen Umbaumaßnahmen an dem Forschungsreaktors FRM-II der TU München offen. Nach Schätzungen kostet die benötigte Anlage zwischen vier und fünf Millionen Euro.

Nun hat das Bundesgesundheitsministerium eine Million Euro Förderung für die Jahre 2011 und 2012 zugesagt. Der Zuschuss war seit mehr als einem Jahr Streitthema zwischen den Nuklearmedizinern und der Politik.

Die TU München hatte schließlich auf eigene Initiative mit dem Umbau begonnen. Möglich wurde dies, da der Reaktor ohnehin für Wartungsarbeiten im Herbst 2010 heruntergefahren werden musste. Damals hatte bereits das Land Bayern 1,2 Millionen Euro für den Umbau zugesagt, weitere Mittel kommen dem Vernehmen nach von der Industrie.

Hintergrund für den Umbau ist der jüngste Engpass von Technetium-99m, kurz Tc99m. Das Isotop ist essenziell für die Nuklearmedizin. Als Trägernuklid an verschiedenen Tracermolekülen erlaubt es verschiedene szintigrafische Untersuchungen, bekannt etwa bei Schilddrüsenszintigrafien.

Dazu wird das Nuklid, das eine Halbwertszeit von rund sechs Stunden hat, mit NaCl aus einem Technetium-Genertor eluiert. Der wiederum ist mit Molybdän-99 bestückt, das mit einer Halbwertszeit von 66 Stunden in Tc99m zerfällt.

Mo99 wiederum wird durch die Kernspaltung von Uran-235 gewonnen - normalerweise durch den Beschuss von Neutronen in einem Kernreaktor. In den Industrieländern decken bislang nur fünf Forschungsreaktoren den Bedarf von Mo99 für die Weiterverwendung in der Nuklearmedizin.

Das Problem: Viele der Reaktoren sind alt, teilweise über 40 Jahre. Drei der Reaktoren stehen in Europa (in Belgien, Frankreich und den Niederlanden). Doch häufige Wartungsarbeiten sorgen für teils lange Produktionspausen.

Zwar stimmen sich die Betreiber gemeinsam über diese Slots ab, doch kommt es hin und wieder zu unvorhergesehenen Pausen. Die verbleibenden Reaktoren können dann nicht genügend Ausgangsmaterial herstellen.

Zu so einem Fall kam es Anfang 2010: Die Reaktoren im niederländischen Petten und im kanadischen Vancouver waren ausgefallen. Für die Nuklearmediziner kam es weltweit zu einer angespannten Lage, teilweise mussten sogar Untersuchungen verschoben werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin setzte damals auf Priorisierung, Ärzte verschoben weniger dringende Untersuchungen.

Hoffnung setzten die deutschen Nuklearmediziner spätestens seit diesem Engpass auf die Forschungsneutronenquelle in Garching. Dort soll nun ab 2014 etwa die Hälfte des medizinischen Bedarfs an Technetium-99m gedeckt werden können.

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