Ärzte Zeitung online, 01.07.2011

Rabos Motivation: Als "Bufdi" Berufspraxis sammeln

Der neue Bundesfreiwilligendienst startet am heutigen Freitag (1. Juli). Einer der ersten Freiwilligen ist Michael Rabo: Er will in einer Heilbronner Schule fürs Leben lernen.

Von Christian Fahrenbach

Rabos Motivation: Als "Bufdi" Berufspraxis sammeln

Michael Rabo (l), einer der ersten Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst, betreut an der Alice-Salomon-Schule in Heilbronn für die Diakonie einen Schüler.

© dpa

HEILBRONN. Michael Rabo schaut auf die Schulaufgaben des kleinen Jungen neben sich. Rabo nickt vorsichtig, fragt dann, was noch ausgefüllt werden muss. Der Junge erklärt es ihm.

Noch wirkt die Szene beim Pressetermin etwas unsicher, doch vom heutigen Freitag an kann der 20-Jährige Rabo wieder jeden Tag erleben, wie sich Schulalltag anfühlt.

Er tritt in der Heilbronner Alice-Salomon-Schule seinen Bundesfreiwilligendienst (BFD) an und gehört damit bundesweit zu den ersten jungen Männern, die künftig nicht mehr auf den Begriff "Zivi", sondern auf das Kürzel "Bufdi" hören.

Holpriger Start des BFD

Der Start des BFDs verläuft holprig, vielerorts fehlt es noch an Freiwilligen. Einen Tag vor Start des BFDs teilte das Ministerium zwar mit, dass nach zuletzt 19.700 Zivis nun mehr als 17.300 Freiwillige im Einsatz seien - 14.300 davon sind jedoch Ex-Zivis, die ihren Vertrag freiwillig verlängert haben.

Auch bei der Diakonie Württemberg, wo Michael Rabo arbeiten wird, sind noch viele Stellen offen.

"Wir haben jetzt zum 1. Juli knapp 40 junge Menschen, die sich für den "Bufdi" interessiert haben", erklärt Michael Ott von der Diakonie Württemberg zu den Bewerberzahlen bei ihm und seinen Kollegen in Baden.

BFD noch nicht so bekannt

Bisher seien 16 Verträge geschlossen - ein Bruchteil der 1500 Zivildienstleistenden, die zuletzt im Südwesten für die Diakonien arbeiteten. Es sei jedoch auch früher so gewesen, dass im August und September viele zusätzliche Bewerber kamen.

Außerdem sei das neue Konzept noch nicht bekannt genug, glaubt Ott. Viele junge Menschen hätten zudem Vorbehalte, sich jetzt für einen Freiwilligendienst zu entscheiden und im nächsten Jahr im Südwesten mit den Abgängern des Doppelabiturjahrgangs um Studienplätze zu bewerben.

Ein weiterer Grund für das geringe Interesse kann auch das politische Hickhack um den neuen Dienst sein. "Wir hätten uns gewünscht, dass die Rahmenbedingungen sehr früh sehr klar gewesen wären", sagt Ott.

Noch vieles ungeklärt

Noch immer sei beispielsweise nicht klar, ob zusätzlich zu dem Taschengeld und den Sozialleistungen für die Freiwilligen auch das Kindergeld weiter gezahlt wird.

Von Vorteil sei es dagegen, dass der Dienst keine Pflicht mehr sei und damit eher engagierte Bewerber finden dürfte, glaubt Ott.

Überrascht ist er von den vielen Anfragen der Über-27-Jährigen. Die Öffnung auch für ältere Menschen funktioniere passabel, die ersten Zahlen seien "ermutigend". "Wir denken insgesamt, dass es ein gutes Angebot ist", zieht Ott Bilanz. "Es wird seine Akzeptanz finden."

Rabo will Lehrer werden

Auch Michael Rabo will in den zunächst vereinbarten sechs Monaten Freiwilligendienst konkrete erste Berufserfahrung sammeln.

"Anschließend möchte ich Lehrer werden, da passt es, dass ich hier praxisorientiert arbeiten kann."

Im Jugendbereich habe er zwar bisher noch nicht gearbeitet, gibt Rabo zu, aber er gibt sich trotzdem optimistisch.

"Ich habe selber drei Geschwister, da weiß ich schon, was auf mich zukommt", sagt er lachend. (dpa)

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