Ärzte Zeitung, 14.09.2011

Mehr Tempo für Meldungen bei Seuchen

Konsequenz aus der EHEC-Krise: Künftig soll eine elektronische Kommunikation den Meldeweg im Falle von Seuchen beschleunigen. Das wird gesetzlich geregelt. Ärzte müssen die Gesundheitsämter dann schneller informieren.

Lehre aus EHEC: Mehr Tempo für Meldungen

Mit einer Impföse werden Bakterien isoliert. EHEC steht weiter im Fokus.

© Becker dpa/lnw

BERLIN (HL). Mit insgesamt 4321 EHEC-Fällen, darunter 852 HUS-Erkrankungen und 50 Todesfällen hat Deutschland zwischen Mai und Anfang Juli den größten EHEC-Ausbruch zu bewältigen gehabt.

Im Management einer solchen Seuche sieht die Bundesregierung punktuell Verbesserungsbedarf, wie jetzt aus ihrer Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen hervorgeht. Als erste Konsequenz ist im Rahmen des laufenden Gesetzgebungsverfahrens zur Durchführung der Internationalen Gesundheitsvorschriften eine "substanzielle Beschleunigung" des Meldewegs vorgesehen.

Meldepflicht zum RKI nach spätestens drei Tagen

Die Meldepflicht für Ärzte wird so gefasst, dass sichergestellt ist, dass sie innerhalb von 24 Stunden nach Diagnosestellung beim zuständigen Gesundheitsamt und nach höchstens drei Tagen beim Robert-Koch-Institut eingeht. Bislang durfte dies bis zu 16 Tage dauern.

Realisiert werden soll dies mit einer informationstechnologischen Lösung, die eine bruchlose elektronische Übermittlung der Meldungen aus Arztpraxen, Krankenhäusern und Laboren ermöglicht. Das Bundesgesundheitsministerium wird gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut eine Studie veranlassen, um technische Möglichkeiten zu eruieren, ob tagesaktuelle Daten zu erhalten sind.

Die Bundesregierung kann nicht bestätigen - aber auch nicht ausschließen -, dass die generellen Meldequoten durch niedergelassene Ärzte bei meldepflichtigen Infektionskrankheiten nur bei 20 Prozent liegen.

Bundesregierung geht davon aus, dass Meldebereitschaft steigt

Denn dazu müsste eine Fülle von Daten erhoben und bekannt sein: die Zahl der bei Gesundheitsämtern eingehenden Meldungen abzüglich der Doppel- und Fehlermeldungen, die Zahl der tatsächlich bei Ärzten diagnostizierten Erkrankungen - hierzu werden vom RKI bezogen auf einzelne Krankheiten Studien durchgeführt - und schließlich die Zahl der tatsächlich vorkommenden Erkrankungen.

Letztere beruhen teils auf Schätzungen, teils auf Untersuchungen von Teilpopulationen oder von nicht in Deutschland vorgenommenen Untersuchungen.

Die Bundesregierung geht aber davon aus, dass die Meldebereitschaft in dem Maße steigt, wie der Meldeaufwand für die Ärzte verringert wird. Auch dies sei das Ziel der IT-gestützten Meldung. Bereits jetzt sei die Meldepflicht sanktionsbewehrt.

Meldequalität könnte sich verringern

Das könne zwar zu einer Erhöhung der Meldequote führen - andererseits aber auch negative Auswirkungen auf die ebenso wichtige Meldequalität haben.

Anders als betroffene Krankenhäuser und die dort arbeitenden Ärzte sieht die Bundesregierung keine essenziellen Engpässe in der Versorgung. Insgesamt seien 372 Kliniken vorrangig in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit EHEC-Patienten konfrontiert worden.

Maximal 15 Krankenhäuser seien "in relevantem Umfang" mit der stationären Versorgung von EHEC- und HUS-Patienten befasst gewesen. Eine Beeinträchtigung bei der stationären Versorgung anderer Patienten habe durch innerbetriebliche Maßnahmen sowie in gewissem Umfang auch durch Verlagerung von Patientenströmen vermieden werden können.

Versorgung mit Blutplasma war nicht gefährdet

Die Versorgung der 1200 am schwersten erkrankten Patienten mit Blutplasma sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Das Paul-Ehrlich-Institut habe zu jeder Zeit einen aktuellen Überblick über die Verfügbarkeit von gefrorenem Frischplasma gehabt.

Eine Änderung der Kommunikationspolitik - nach einer Forsa-Umfrage wurde sie wegen mancher Widersprüche als verunsichernd empfunden - hält die Bundesregierung für nicht erforderlich. Das überregionale Ausbruchgeschehen sei generell von den Medien zeitnah thematisiert worden.

Lebensmittelwarnungen seien von der Bundesregierung nicht ausgesprochen worden - hierfür seien die Länder zuständig, die eigene Intenet-Plattformen entwickelten. Diese werden im Oktober freigeschaltet.

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