Ärzte Zeitung, 27.09.2011

Praxisalltag - für viele junge Ärzte ein Schock fürs Leben

Erst hochmotiviert, dann desillusioniert: Immer mehr junge Ärzte sind nach dem PJ so dermaßen geschockt vom Arbeitsalltag, dass sie ihren Kittel an den Nagel hängen. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

BERLIN (bee). Immer mehr junge Mediziner erleben in der Weiterbildung einen Praxisschock. Das wurde beim Symposium der Bundesärztekammer "Perspektiven junger Ärzte in der Patientenversorgung" in Berlin deutlich.

Viele junge Ärzte vom Praxisalltag geschockt

Desillusioniert und frustriert: Hochmotivierte junge Medizinstudenten erleiden bereits nach dem PJ einen Praxisschock.

© Gabriel Blaj / fotolia

Vor allem Arbeitsüberlastung, fehlende Anleitung und starre Hierarchie-Strukturen schrecken viele junge Ärzte in der Weiterbildung ab und führten häufig dazu, dass junge Mediziner später doch nicht in die Patientenversorgung gehen.

Offenbar hat selbst die Novellierung der Weiterbildungsordnung im Jahr 2003 nicht viel bewirkt.

Keine strukturierten Pläne für die Weiterbildung an vielen Kliniken

Denn bis heute gebe es an vielen Kliniken keine strukturierten Pläne für die Weiterbildung, beklagten Studenten und junge Fachärzte.

Zwar ist das Medizinstudium beliebt - für das Wintersemester 2011 kamen auf 105 Plätze an der Universität Greifswald rund 3000 Bewerber - aber viele zunächst hochmotivierte Medizinstudenten sind bereits nach dem Praktischen Jahr desillusioniert: hohe Arbeitsbelastung, unklare Aufgabenverteilung, keine strukturierten Lernpläne frustrieren den ärztlichen Nachwuchs.

Feedback-Runden könnten helfen

Helfen könnten hier zum Beispiel Feedback-Runden und Transparenz bei Entscheidungen, sagte Professor Thea Koch, Direktorin für Anästhesiologie am Uniklinikum Dresden.

"Hier müssen auch die Führungskräfte dazu lernen: Wir müssen unseren Mitarbeitern mehr Lob, Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen", sagte Koch.

"Wir wollen nicht als Arbeitstiere, sondern auch als Lernende gesehen werden", forderte Carolin Fleischmann von der Bundesvertretung der Medizinstudenten (bvmd).

[29.09.2011, 13:14:08]
Dr. Andrea Gräfe 
Das sind halt marktwirtschaftliche Bedingungen
Arbeitskräfte suchen sich den Job, wo sie bei gleichen (oder sogar besseren) Verdienstchancen die besten Bedingungen vorfinden. Hier oder im Ausland.

Im Krankenhaus erwartet sie im PJ ein weitgehend unbezahlter 12 Stunden Tag mit gefrusteten Assis vor der Nase sowie Mißbrauch als Hakenhalte- und Anamnese-Roboter. Die Assistenten kennen es nicht anders, wurden sie doch auch so behandelt. Außerdem wissen viele bei immer extremeren Bedingungen des Mangels und der unbesetzten Stellen auch nicht, wo sie noch die Zeit hernehmen sollen, einem jungen Kollegen etwas beizubringen. Wenn sie denn überhaupt noch der deutschen Sprache mächtig sind.

Und nach dem Krankenhaus ? Kassenpraxis ? Das ist ja wohl lächerlich, da kann man sich ja gleich selber in die Sklaverei verkaufen und nicht noch einen Haufen Geld ausgeben. Volles betriebswirtschaftliches Risiko bei lächerlichen Vergütungen, 80-Stunden-Woche, immer aggressiveren Patienten - und dafür noch das volle finanzielle Haftungsrisiko für die Medikamente derselben. Tägliches Abwatschen in der Presse als Betrüger, Abzocker und Faulpelz inklusive.

Ja wer soll denn das mit einem IQ über der Raumtemperatur noch mitmachen ?
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[28.09.2011, 14:04:51]
Dr. André Kröncke 
Arbeitsbedingungen sind mehr als der Verdienst
Ärzte müssen in ihrem Beruf wieder ihre Heimat finden!
Wie sollen wir den Ärztemangel bekämpfen, wenn die jungen Kollegen so vergrault werden?
Ganz wichtig ist hier die Erkenntnis, daß vor dem Verdienst viele andere Gründe die Mediziner frustrieren!

Dr. André Kröncke
Notarzt-Börse zum Beitrag »
[28.09.2011, 08:32:24]
Dr. Harry Domack 
Praxisalltag Der Schock für Ärzte
Jetzt sehen die jungen Ärzte erstmalig, wie man sie verheizt und ausbeutet.

Dazu noch die schlechten Vergütungen, schlecht oder gar nicht bezahlte Überstunden, Nachtdienste+Feiertagsdienste mit lachhaften Vergütungen (in der Metallindustrie würde dafür keine Hilfskraft schaffen) und ständigen Vorwürfe und sie erleben auch die ständigen Versprechungen, irgendwann werde es schon besser.

Ärzte könnnen aufgrund ihrer Ausbildung in vielen Gebieten gute Arbeit leisten, in der kurativen Medizin in Deutschland werden sie nur geschätzt, wenn sie für Gotteslohn arbeiten und sich ständig demütigen lassen.

Ohne Monetik keine Ethik!

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[27.09.2011, 18:40:33]
Dr. Frank-Uwe Fuchs 
Ja warum denn nicht
Einfach richtig zahlen dann kommen auch wieder mehr Ärzte, solange jeder Handwerker nebenbei mehr schwarz verdient als ein Arzt wird es so bleiben.
Es sollte der belohnt werden der wenigstens versucht der Gesellschaft einen Dienst zu erweisen.
Nicht der der Ihr bewußt schadet.
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