Ärzte Zeitung, 03.10.2011

Geschäftsmodell "Privatklinik" wird verboten

BERLIN (HL). Krankenhäuser dürfen künftig von Privatpatienten keine höheren Entgelte mehr verlangen als das Krankenhausfinanzierungsgesetz und die Pflegesatzverordnung vorsehen. Das gilt für Leistungen, die nach dem Versorgungsauftrag des Krankenhauses vorgesehen sind.

Eine entsprechende Änderung des Krankenhausfinanzierungsgesetzes haben die Koalitionsfraktionen in die Beratungen zum GKV-Versorgungsstrukturgesetz eingebracht.

Hintergrund ist die Praxis einer Reihe von Krankenhausträgern, in ihren Kliniken oder in deren räumlicher Nähe Privatkliniken als Tochtergesellschaften zu betreiben. Diese haben die Funktion, Privatpatienten aufzunehmen.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unterliegen diese Privatkliniken auch dann nicht dem Entgeltrecht für allgemeine Krankenhausleistungen, wenn sie identische oder weitgehend gleiche Leistungen wie das Plankrankenhaus im Rahmen seines Versorgungsauftrags für GKV-Patienten erbringen.

Das Modell hat es den Privatkliniken ermöglicht, Privatpatienten deutlich höhere Entgelte in Rechnung zu stellen als den gesetzlichen Kassen für ihre Versicherten. Die Koalition sieht darin eine "unzumutbare Belastung von Privatpatienten als Beitragszahlern und von privaten Krankenversicherungen und Beihilfekostenträgern".

Die Koalition beruft sich dabei auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, wonach aufgrund der Einführung des Basistarifs und des Kontrahierungszwangs der PKV eine Verantwortung des Gesetzgebers dafür besteht, dass die PKV und ihre Versicherten künftig nicht unzumutbar belastet werden.

[05.10.2011, 11:42:17]
Jürgen Fegbeitel 
Die Hälfte der Medaille
Es ist sicherlich richtig, die Praxis Abrechnung einer höheren base-rate über diesen Weg zu unterbinden.
Allerdings macht auch bei Abrechnung der base-rate auf GKV-Niveau die Ausgliederung der Privatversicherten für viele Kliniken Sinn.
Das Budget eines nach § 301 SGB V zugelassenen Krankenhauses ist so bemessen, dass auch Umsätze aus dem Bereich der Privatversicherten eingerechnet werden. Erfolgt allerdings eine Trennung und werden die Privatversicherten in einer ausgegliederten Privatklinik versorgt, können zu Lasten der GKVen höhere Leistungszahlen angesetzt werden, da dann keine oder kaum noch DRG-Leistungen von Privatversicherten von dem zugelassenen Krankenhaus abgerechnet werden.
Von daher wird die beabsichtigte gesetzliche Änderung dieses Vorgehen weiterhin möglich machen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Bundestag macht den Weg frei für Cannabis auf Rezept

13:12Ärzte können Hanf als verschreibungspflichtiges Medikament verordnen. Nach jahrelanger Debatte hat das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu geregelt. Krankenkassen müssen die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »