Ärzte Zeitung, 04.10.2011

"Ernstfall Ärztemangel" - ein Thema, das die Medien beschäftigt

Niedergelassene Ärzte stehen inzwischen im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Fast im Wochenrhythmus geht es in allen Medien um die Probleme des ärztlichen Arbeitsalltags.

"Ernstfall Ärztemangel" - ein Thema, das die Medien beschäftigt

Ärztliche Versorgung auf dem Land: Die Diskussion um den Ärztemangel steht im Blickpunkt der Öffentlichkeit.

© NBL/ imago

BERLIN (HL). "Der Ärztemangel rückt näher - Patienten auf dem Land müssen sich verstärkt auf eine Versorgung mit mobilen Medizinern von außerhalb einstellen." So beginnt eine Zusammenfassung der Presseagentur dpa zu dem Themenpaket "Ernstfall Ärztemangel".

Die nächsten Wochen entscheiden über das Gesetz

Der Hintergrund: Seit Monaten laufen die Beratungen zum GKV-Versorgungsstrukturgesetz, die erste Lesung hat im Bundestag stattgefunden, der Bundesrat hat sich - teils ablehnend - positioniert.

Und für die Kassenärztliche Bundesvereinigung kommt es nun darauf an, in den nächsten entscheidenden Wochen, in denen das Gesetz im Bundestags-Gesundheitsausschuss beraten wird, wesentliche Interessen der Vertragsärzte durchzusetzen.

Entwurf für ambulante spezialärztliche Versorgung am schwierigsten

Das schwierigste Projekt ist die ambulante spezialärztliche Versorgung. Einerseits fordert die KBV noch gravierende Änderungen am Entwurf der Koalition: Garantie gleichlanger Spieße bei Kliniken und Vertragsärzten, Verpflichtung zur Kooperation, weniger Macht beim Bundesausschuss und mehr Verhandlungskompetenz.

Andererseits: Scheitert das Projekt, dann wird eine sektorenübergreifende Versorgung gerade für die Versorgung Schwerkranker in dieser Legislaturperiode sehr unwahrscheinlich, so die Befürchtung von KBV-Chef Dr. Andreas Köhler. Er setzt sich klar an die Spitze der Reformer - nicht zuletzt auch gegen Widerstände in den eigenen Reihen.

Köhler gegen eine Erosion der Versorgung

Die dpa gibt ihm reichlich Gelegenheit, seine Position in einem Interview darzulegen: Für ihn ist die spezialärztliche Versorgung wichtig, weil sie die Grenzen zwischen den Sektoren ambulant und stationär überwindet. "Heute können zudem Krankenhäuser neue Methoden schnell anwenden, niedergelassene Ärzte nicht. Auch dieser Nachteil soll aufgehoben werden."

Und: Köhler verspricht, sich gegen eine Erosion der Versorgung einzusetzen. "Wir sollten uns gegen Vorstellungen wehren, dass ländliche Regionen versteppen und Ärzte nur noch für Oberzentren da sind."

Einen Schlag mehr Honorar für Hausärzte, so der Gesundheitswissenschaftler

Der Bremer Gesundheitswissenschaftler Professor Gerd Glaeske spricht sich nachdrücklich für eine Förderung der Allgemeinärzte aus: "Ich habe nichts gegen einen Schlag mehr Honorar für die Hausärzte."

Als Mittel der Wahl sieht er "großzügig bemessene Pauschalen", die ein Anreiz sein sollen, Patienten eingehender zu beraten, aber auch seltener einzubestellen.

Wesentlich: Mehr Prävention, aber auch eine bessere Kooperation mit Fachärzten und speziell ausgebildeten Pflegekräften. Aber dies ist außerordentlich kontrovers.

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