Ärzte Zeitung, 13.10.2011

Hintergrund

"Bufdi" zu sein wird immer beliebter

Der "Bufdi" hat vor rund 100 Tagen den "Zivi" in Kliniken und sozialen Einrichtungen abgelöst. Ein erstes Fazit: Die anfängliche Skepsis ist gewichen, die Zahl der Freiwilligen steigt deutlich. Der Bundesfreiwilligendienst hat für die Träger einen Vorteil: Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist wieder sinnvoll.

Von Rebecca Beerheide

Der "Bufdi" ist da - und das Interesse am freiwilligen Dienst nimmt deutlich zu

Erst Theorie, dann die Praxis: Für "Bufdis" und die Träger der Einsatzorte lohnt sich die Ausbildung zum Rettungssanitäter wieder.

© Peter Kneffel / dpa

"Zeit, etwas Sinnvolles zu tun" - mit diesem Slogan wirbt die Bundesregierung seit einigen Monaten für den neuen Freiwilligendienst.

Zwar gab es Zweifel, ob sich überhaupt jemand für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) melden würde. Doch inzwischen ist die Skepsis gewichen - die Zahl der "Bufdis" steigt.

"Wirklich gut angelaufen"

Über 16.000 Männer und Frauen haben seit dem 1. Juli eine Vereinbarung für den Dienst unterschrieben. "Erfreulich, das ist wirklich gut gelaufen", sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

"Anfangs gab's Schwierigkeiten mit der Kindergeld-Anrechnung, aber seitdem das überwunden ist, läuft's wirklich rund. Der Dienst ist von der anfänglichen Stolperstrecke auf eine Rennstrecke gekommen. Wir haben keinen Zweifel daran, dass wir die 35.000 Freiwilligen bis Ende nächsten Jahres erreichen werden."

Regierung strebt 35.000 Freiwillige an

Die Zahl von 35.000 wird auch von der Bundesregierung angestrebt - allerdings war dies bereits das Ziel für das Jahr 2011. Dass sich innerhalb kürzester Zeit so viele junge und ältere Menschen für einen Freiwilligendienst interessieren, bezweifelten viele Experten von Beginn an.

Denn der neue Bundesfreiwilligendienst hatte es gegen das von den Bundesländern getragene Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) schwer: Im FSJ sind die Stellenzahlen im vergangenen Jahr sogar noch gestiegen, der Dienst ist seit zehn Jahren bekannt und etabliert. Inhaltlich und finanziell sind beide Dienste fast identisch.

Beim FSJ wird ein Taschengeld, dessen Höhe der Träger festlegt, plus Verpflegungs- und Unterkunftspauschale ausgezahlt, beim BFD sind es im Höchstsatz 330 Euro, plus Unterkunft, Verpflegung und Kleidung.

BFD hat einige Vorteile gegenüber dem Zivildienst

Der BFD hat einige Vorteile, die der Zivildienst am Ende nicht mehr hatte: Während die "Zivis" nur noch kurz zu ihren Einsatzstellen kamen -  zum Schluss waren es noch sechs Monate -  lohnt es sich nun bei einer Einsatzzeit von rund zwölf Monaten wieder, eine umfangreiche Ausbildung zum Rettungssanitäter anzubieten.

Das bestätigen die Malteser und das Deutsche Rote Kreuz. "Im Vorfeld eines Medizinstudiums kann das sehr interessant sein", sagt Malteser-Sprecherin Claudia Kaminski.

DKG erkennt positive Signale

Zu den Hochzeiten des Zivildienstes arbeitete fast jeder sechste "Zivi" in einer Klinik -  viele junge Männer haben dabei auch ihre Berufung als Arzt oder Pfleger gefunden.

Eine Bilanz will die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zwar erst Ende des Jahres ziehen - doch erkennt sie jetzt schon positive Signale.

"Aus den Rückmeldungen der Krankenhausträger lässt sich eine hohe Beteiligungsquote der Häuser am Bundesfreiwilligendienst schließen", so Moritz Quiske, DKG-Sprecher zur "Ärzte Zeitung". Kliniken, die bereits "Zivi"-Dienststellen angeboten haben, haben heute FSJ sowie BFD-Stellen.

Große Verbände mit "Bufdi" überwiegend zufrieden

Auch andere große Verbände, die früher die meisten "Zivi"-Plätze zur Verfügung stellten, äußern sich überwiegend zufrieden zum Bundesfreiwilligendienst.

 "Das ist eine ganz schöne Entwicklung", sagt Caritas-Sprecherin Claudia Beck. Ein Teil der Arbeit, die früher die Zivis gemacht hätten, könne auf diese Weise weitergeführt werden.

Caritas: Früher waren ungefähr dreimal so viele "Zivis" beschäftigt

Allerdings waren bei der Caritas früher ungefähr dreimal so viele "Zivis" beschäftigt. "Es war von vornherein klar, dass ein Pflichtdienst in dieser Form nicht ersetzt werden kann", betont Antje Mäder Pressesprecherin des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben - früher war dies das Bundesamt für den Zivildienst.

"Nein, er ersetzt nicht diesen Dienst, er hilft aber, Lücken zu schließen."

Nur wenige Ältere interessieren sich für den Bundesfreiwilligendienst

Etwas schade findet Malteser-Vorstand Karl Prinz zu Löwenstein noch, dass sich bisher nur wenige Ältere für den Dienst interessieren: "Das sind sehr schöne Aufgaben", wirbt er - ideal zum Beispiel für Leute, die gerade in Rente gegangen seien und noch etwas Sinnvolles machen wollten.

Bis Ende September konnten bei den Einrichtungen der Malteser nur 33 Vereinbarungen mit Freiwilligen über 27 Jahre geschlossen werden.

Ältere Freiwillige für Hausnotruf gesucht

"Dabei benötigen wir ältere Freiwillige wegen ihrer Lebenserfahrung dringend für Hausnotrufe und die Betreuung von Menschen in Heimen", so Malteser-Sprecherin Kaminski zur "Ärzte Zeitung".

In den kommenden Wochen könnte die Zahl der Vereinbarungen mit Freiwilligen unter 27 Jahre noch einmal steigen - denn wer bis zu Beginn des Wintersemesters keinen Studienplatz gefunden hat, könnte als Überbrückung einen Freiwilligendienst antreten. (mit dpa)

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