Ärzte Zeitung online, 12.10.2011

Heroin-Ersatzdroge lässt die Haut faulen

BOCHUM (dpa). Der Handel mit der lebensgefährlichen Heroin-Ersatzdroge Krokodil schwappt nach Deutschland über.

Die künstlich hergestellte Droge aus Russland - auch "Krok" genannt - sei nun im Ruhrgebiet aufgetaucht. Vier Nutzer eines Bochumer Drogencafés hätten die typischen Symptome gezeigt, bestätigte der leitende Arzt der Krisenhilfe Bochum, Heinrich Elsner, am Dienstag. Der giftige Stoff lässt zum Beispiel die Haut faulen.

Bisher war die Droge nach Polizei-Informationen bereits in Frankfurt/Main angeboten worden, hatte dort aber kein Aufsehen erregt. In Russland wird sie seit längerer Zeit gedealt und soll dort bereits Hunderte von Abhängigen getötet haben.

Nach russischen Medienberichten haben "Krok"-Abhängige in der Regel eine nur noch kurze Lebenserwartung. In manchen Fällen ende bereits der erste Kontakt mit der Droge tödlich.

Die Abhängigen in Bochum seien der Meinung, Heroin genommen zu haben, sie erlitten dabei aber "katastrophale Haut- und Weichteilschäden", die sonst bei Heroin kaum aufträten, sagte der Drogenarzt Elsner. Offenbar sei der Stoff Abhängigen in der Bochumer Szene ohne ihr Wissen als Heroin verkauft worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Drogenhilfe werde alle Betroffenen ansprechen und ihnen eine Methadon-Ersatztherapie anbieten, berichtete die Leiterin der Bochumer Drogenhilfe, Silvia Wilske.

Das Rauschmittel Krokodil - mit dem Betäubungsmittel Desomorphin - werde illegal aus dem in Russland frei erhältlichen Codein und weiteren Stoffen wie Benzin aufgekocht. Da die Produzenten die Verunreinigungen im Stoff nicht entfernen, komme es schon nach wenigen Injektionen zu großflächigen Gewebeschäden. Arme oder Beine sterben rund um die Einstichstelle ab und müssen amputiert werden. Das Suchtpotenzial der Droge soll besonders hoch sein.

Die vier Betroffenen in Bochum seien ohne festen Wohnsitz, ihr derzeitiger Aufenthaltsort nicht bekannt, sagte Wilske. In der Bochumer Szene herrsche ein "Riesenaufruhr", erläuterte die Polizei. Auch das Landeskriminalamt sei eingeschaltet.

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