Ärzte Zeitung online, 13.10.2011

Experten warnen vor Renaissance der Atomkraft

LONDON (dpa). Die Internationale Gemeinschaft muss nach Ansicht von Experten dringend strengere Regeln und Kontrollmechanismen für die weltweit stattfindende "Renaissance der Atomkraft" finden.

Vor allem müsse erreicht werden, dass der Ausbau der Stromerzeugung klar von der Atomwaffenentwicklung abgegrenzt werde, heißt es in einem Bericht der renommierten britischen Wissenschaftsvereinigung Royal Society.

Es sei unmöglich, das Risiko zu umgehen, dass Wissen über Atomtechnologie für die Waffenproduktion ausgenutzt werde. "Festzulegen, welches Ausmaß von Risiko akzeptabel ist, liegt aber zuletzt im Ermessen der Politik und nicht der Technik", heißt es. Weltweit bauten derzeit viele Länder ihre zivilen Nuklearprogramme aus oder neu auf, um ihren wachsenden Energiebedarf zu decken und dem Klimawandel vorzubeugen.

Die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima habe diese "Renaissance der Atomkraft" zwar gebremst, aber nicht gestoppt. Risiko dabei sei, dass sich mit der Kernkraft die militärische Nutzung der Atomtechnik verbreite und nicht mehr ausreichend zu kontrollieren sei.

Regierungen und Atomkraftwerk-Betreiber müssten mit einem "integrierten Ansatz" dafür sorgen, dass der Ausbau der Atomwirtschaft weltweit nicht aus dem Ruder laufe, fordert die Royal Society. Dabei müsse darauf geachtet werden, dass Länder wie Russland, China, Indien und andere Staaten mit Atomwaffenprogrammen diese klar und deutlich von der Atomstrom-Produktion trennten.

Außerdem müsse das Thema Atommüll stärker ins Bewusstsein rücken. "In der Eile, neue Atomkraftwerke zu bauen, (...) darf die Frage nach dem Abfall nicht mehr länger verschoben werden." Die Royal Society schlägt unter anderem vor, die Ausbildung an Universitäten und in Unternehmen stärker darauf auszurichten, welche Gefahren eine mögliche Verbreitung militärischer Atomtechnik birgt. Auch Sicherheitsfragen bei der Kernenergie müssten ausführlicher thematisiert werden.

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