Ärzte Zeitung online, 26.10.2011

Hygienemängel in Gaststätten und Fleischereien

BERLIN (dpa). Viele Gaststätten, Fleischereien oder Imbisse nehmen es mit der Hygiene nicht so genau. 139.000 Mängel stellten Prüfer im Vorjahr fest - betroffen war jeder vierte Betrieb.

Das geht aus Zahlen der Lebensmittelüberwachung hervor, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Mittwoch in Berlin vorgestellte.

Demnach haben die Kontrolleure in den Ländern 921.000 Inspektionen in rund 538.000 deutschen Betrieben durchgeführt und 408.000 Proben untersucht. Von den Proben wurden 55.000 (13,5 Prozent) beanstandet.

Grund waren Kennzeichnungsmängel (50 Prozent), die Beschaffenheit (19 Prozent) und Mängel bei der Zusammensetzung der Lebensmittel (12 Prozent).

Keime im Hackfleisch

Wiederholt stellten die Kontrolleure etwa bei gegarten Hackfleischprodukten in Fertigpackungen einen zu hohen Keimgehalt fest.

Geprüft wurde in Betrieben, die Lebensmittel herstellen und verarbeiten, in der Gastronomie und bei Fleischereien oder Bäckereien.

Mangelhaft war häufig die Sauberkeit in der Gastronomie. In 16,3 Prozent der kontrollierten Gaststätten mit Küche und in 27,1 Prozent der Kneipen gab es Beanstandungen.

Veröffentlichungspflicht gefordert

Martin Rücker, Sprecher der Verbraucherorganisation foodwatch, forderte schärfere Maßnahmen.

"Dass wie jedes Jahr wieder jeder vierte Betrieb bei den amtlichen Kontrollen beanstandet werden musste, belegt eindrucksvoll das Scheitern des geheimniskrämerischen deutschen Kontrollsystems", sagte Rücker in Berlin.

"Erst wenn die Ergebnisse auch veröffentlicht werden, und zwar direkt am Eingang von Gaststätten, Bäckereien und Supermärkten, haben die Verbraucher die Wahl zwischen den guten und den schlechten Betrieben."

[27.10.2011, 12:36:30]
Dr. Horst Grünwoldt 
Verschärfung?
Die alljährlichen Befunde und Ergebnisse, der personell mit Lebensmittelkontrolleuren und amtlichen Tierärzten gut ausgestatteten deutschen Lebensmittel-Überwachung in den Bundesländern, sind in keinem Fall besorgniserregend!
Die Masse der Beanstandungen sind nicht hygienischer Art, sondern meist formale(Bagatell-)Verstöße gegen Kennzeichnungen (Etikettierungen) von verpackten Lebensmitteln, die auch für den Verbraucher irreführend sein können.
Gelegentlich erhöhte (unschädliche) Gesamtkeimzahlen in einigen nicht sterilisierten Produkten, solange keine Magen- und Darmkrankheitserreger nachgewiesen werden, sind lebensmittelhygienisch meist unbedenklich.
Oft genug sind sie auf mangelhafte Kühl- und Lagerungsbedingungen zurückzuführen (Unterbrechung der sog. Kühlkette) oder sogar auf Kontaminationen bei einer unsachgemäßgen Proben-Entnahme.
In der Lebensmittel verarbeitenden Industrie und in der Gastronomie sind a priori nicht die Nahrungsgüter als gesundheitlich bedenklich einzustufen, sondern gelegentlich die Betriebshygiene und die mit den Rohprodukten in Berührung kommenden unsauberen Menschen mit ihren schmutzigen Händen, Kleidung und Ausscheidungen.
Das Hauptproblem liegt also nach meinen eigenen langjährigen Erfahrungen im Bereich der Personalhygiene, für die auch die Gesundheitsämter zuständig sind.

Insofern sind die Forderungen des Herrn M. Rücker vom Spendensammel-Verein "foodwatch" nach Verschärfung der "Überwachung" und sogar öffentlichen "Brandmarkung" der jeweiligen Betriebe an ihren Eingängen als ganz und gar unberechtigt anzusehen.
Die amtlichen Kontrolleure werden in jedem Fall bei groben Hygiene-Verstößen die Metzgerei oder Gaststätte sofort und vorübergehend schließen bis zur Abstellung der festgestellt Mängel.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (Hygiene-Tierarzt i.R.) aus Rostock zum Beitrag »

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