Ärzte Zeitung online, 19.11.2011

Deutsche erwarten in Zukunft höhere Kassenbeiträge

Pessimistische Deutsche: Weniger Leistungen, aber höhere Beiträge für die Krankenkassen - so sehen die Deutschen die Zukunft des Gesundheitswesen. Außerdem sorgen sie sich zunehmend um Ärztemangel.

BERLIN (dpa) Die Bundesbürger sind mit dem Gesundheitswesen derzeit zwar ganz zufrieden, sorgen sich aber um dessen Zukunft. Sie rechnen mit steigenden Beiträgen bei schlechter werdenden Leistungen, ergab eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP.

Die Studie, die am 23. November vorgestellt werden soll und für die 2260 Versicherte und 522 Ärzte befragt wurden, liegt der "Welt am Sonntag" nach eigenen Angaben in Auszügen vor.

Danach geht jeder zweite Bundesbürger davon aus, dass teure Behandlungen bei älteren Patienten künftig nicht mehr vorgenommen werden.

Angesichts der demografischen Entwicklung rechnen 80 Prozent mit steigenden Krankenkassenbeiträgen.

Drei Viertel rechnen damit, dass es wegen der zunehmenden Alterung der Gesellschaft schwieriger werde, einen Platz im Pflegeheim zu bekommen.

Knapp die Hälfte der Befragten fürchtet, dass es künftig nicht mehr genügend Ärzte gibt. Ärztemangel ist bereits heute Realität - vor allem im Osten Deutschlands.

Immerhin geben 72 Prozent der Befragten dem Gesundheitssystem aktuell gute und sehr gute Noten - das ist den Angaben zufolge der höchste Wert seit 2004.

[20.11.2011, 15:18:49]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Tendenziöse Befragungsergebnisse?
Eine Tendenz der Befragungsergebnisse ist, dass die befragten Bundesbürger und Ärzte von den Medien und der Politik nicht informiert werden. So zeigte z. B. der Parteivorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel, kürzlich in einer gesundheitsökonomischen Vorlesungsreihe in der Kölner Uniklinik zum Thema "GKV" einen Totalausfall. Auch wenn SPD-Vorstandsmitglied, Prof. Dr. med. K. Lauterbach die Veranstaltung mit initiiert hatte, allerdings als Stichwortgeber und Einflüsterer fehlte.

Es ist paradox: In der Deutschen Rentenversicherung (DRV) wird der Beitragssatz wegen der bewährt h o h e n Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in 2012 von 19,9% auf 19,6% a b g e s e n k t, während in der GKV die viel zu niedrige BBG für 2011 (seit 1949 erstmalig!) v e r r i n g e r t und dafür der Beitragssatz einseitig zu Lasten der Arbeitnehmer (AN) auf 15,5 % e r h ö h t wurde (AN 8,2% - Arbeitgeber nur 7,3%). Nebst einseitigen Zusatzbeiträgen, Zuzahlungen und Selbstbeteiligungen bei den Patienten, versteht sich. 2012 plant "Schwarz-Gelb" klammheimlich, die BBG-Absenkung wieder zurückzunehmen.

Selbst die "Wirtschaftsweisen" des Sachverständigenrates bestätigen, dass "die GKV im ersten Halbjahr 2011 einen Überschuss von knapp 3 Mrd. Euro" verzeichnen wird. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (www.ifw-kiel.de) hatte schon Mitte April einen diesjährigen GKV-Überschuss von 5,8 Milliarden € berechnet. Darin sind allerdings die bisher seit 2009 n i c h t aufgelösten jährlichen Rückstellungsreserven von je 3 Milliarden € für den Gesundheitsfonds immer noch nicht inkludiert. Beim Kieler Institut für Mikrodatenanalysen spricht man sogar von "stillen GKV-Reserven" von über 30 Milliarden € bis Ende 2012 als gigantischer Fehlallokation.

Viele in der Befragung geäußerten Ängste und Befürchtungen sind angesichts der GKV-Finanzüberschüsse bzw. der möglichen Reserven durch Anhebung der BBG weitgehend unbegründet. Aber die Frage nach dem bitteren Ende im Pflegeheim, vor dem es jüngeren Befragten immer graust, zeigt die (beabsichtigte?) demoskopische Irreführung durch Allensbach: Die Pflege und ihre Versicherung ist eine eigenständige Sparte und gerade n i c h t Bestandteil der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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