Ärzte Zeitung, 01.12.2011

Praxis ohne Grenzen - Rettungsschirm für Kranke in Not

Die Praxis ohne Grenzen in Bad Segeberg behandelt Menschen in Not kostenlos. Der Andrang wird immer größer.

BAD SEGEBERG (di). Der Andrang in der Praxis ohne Grenzen steigt. Die ehrenamtlichen Helfer um Allgemeinmediziner Dr. Uwe Denker aus Bad Segeberg appellieren nun an Politiker, Pharmafirmen, Krankenkassen und Bürger: "Schafft einen Rettungsschirm für unverschuldet in Not geratene Kranke."

Den Appell veröffentlichte Denker im Rahmen der Kammerversammlung der Ärztekammer Schleswig-Holstein, die Denker über die Praxis ohne Grenzen informierte. Dort arbeiten ehrenamtlich tätige Ärzte, die meist ihre Praxen schon abgegeben haben.

Keine Versichertenkarte, kein Arzthonorar

Eine Versichertenchipkarte gibt es in der Praxis ohne Grenzen so wenig wie ein Arzthonorar. Die Ärzte versorgen Menschen, die sich keinen Arztbesuch leisten können.

Inzwischen ist der Andrang so groß, dass die Medikamentenversorgung in absehbarer Zeit über das bisherige Spendenvolumen nicht mehr zu leisten sein wird.

Medikamente zu spenden ist verboten

Das Problem für die Praxis ohne Grenzen: Die deutsche Gesetzgebung verbietet die Abgabe von Medikamenten als Spenden - die Praxis ohne Grenzen hat nur die Möglichkeit, Medikamente zu kaufen, um die Kranken damit zu versorgen.

Da auch Menschen mit Erkrankungen kommen, die teure Arzneimittel benötigen, steigt der Bedarf an finanziellen Spenden.

Menschen aus dem "gescheiterten Mittelstand"

In die Praxis kommen überwiegend Menschen aus dem "gescheiterten Mittelstand", wie Denker berichtete. Darunter seien aus dem Dienst geschiedene Beamte, frühere Angestellte oder Selbständige.

Zwei Drittel der Patienten nehmen lange Wege in Kauf, um in Bad Segeberg behandelt werden zu können. Zum Rettungsschirm sollte nach Ansicht Denkers unter anderem gehören, dass Praxisgebühr und Medikamentenzuzahlungen abgeschafft werden.

Patenschaften erwünscht

Unbenutzte, original verpackte Medikamente sollten für die Ausgabe an Mittellose frei gegeben und die Mehrwertsteuer gesenkt werden. Denker wünscht sich auch Patenschaften von Menschen für mittellose Patienten, die teure Diagnostik und Therapie benötigen.

Die Kammerversammlung zeigte sich von Denkers Engagement beeindruckt. "Wir sind stolz auf Sie", sagte Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann an Denker und seine Mitstreiter gerichtet.

[02.12.2011, 13:51:02]
Dr. Jürgen Schmidt 
Beispiel oder Einzelfall ?
Ein schönes Gegenbeispiel zum in der Öffentlichkeit verbreiten Bild des geldgierigen Kassenarztes ( als "Beutelschneider der Nation" wurden wir auf Titelseiten einer Illustrierten vor zwei Jahrzehnten angeprangert).

Erinnert sei, dass der Kollege Denker zu jenem Altersjahrgang gehört, die den Entschluss Medizin zu studieren in einer Zeit gefasst haben, als der Kassenarzt 5 DM für den Krankenschein der AOK bekam - und 6 DM für den Hausbesuch bei Privatpatienten.

Damals gehörte eine Einstellung zum Arztberuf, den viele im Elterhaus kennengelernt hatten, die sich oft prägend bis ins Alter erhalten hat.

Die Generation der 70jährigen tritt jetzt ab. Das Beispiel des Kollegen Denker ist ein Einzelfall. Würde man diese Art der Tätigkeit institutionalisieren wollen, wären die dazu bereiten Kollegen wohl rasch mit Fortbildungspflicht, Dokumentationspflicht und der gesamten Bürokratie konfrontiert, der man als Pensionär gerade entronnen ist. Dies ist einer der Gründe, neben den Kosten für eigene Räume und weiteren, weshalb dieses Beispiel, das unsere höchste Anerkennung verdient, nicht Schule macht.  zum Beitrag »

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