Ärzte Zeitung, 06.12.2011

Chefredakteur Montgomery zeigt, wo's lang geht

Redaktionsalltag bei der Ärzte Zeitung: Die Arbeit ist oft hektisch, der Zeitdruck groß. Themen werden diskutiert, für gut befunden, verworfen, ergänzt. Der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery hat als Co-Chefredakteur ganz neue Erfahrungen gemacht.

Von Christoph Fuhr

Chefredakteur Montgomery zeigt, wo's lang geht

Montgomery: Nicht nur BÄK-Präsident, sondern auch Chefredakteur - zumindest für einen Tag bei der "Ärzte Zeitung". Zur Bildergalerie ...

© Alex Kraus

NEU-ISENBURG. Das hat's noch nie gegeben. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, ist für einen Tag Chefredakteur der Ärzte Zeitung - genau genommen Co-Chefredakteur, wie Wolfgang van den Bergh, der echte Chef, dem Team der ÄZ gestern morgen erläutert hat.

Dr. Frank Ulrich Montgomery

Dr. Frank Ulrich Montgomery ist Präsident der Bundesärzekammer und zugleich auch Präsident der Landesärztekammer Hamburg. Der Oberarzt für Radiologie war viele Jahre auch Vorsitzender des Marburger Bundes.

Themenkonferenz um 11 Uhr für die Mittwochausgabe. Zunächst gibt's wie immer die Blattkritik der aktuellen Zeitung. Was war gut, was kann besser werden?

Ein Hintergrundbericht auf Seite 2 über IGel-Leistungen wird diskutiert, "Wir brauchen durchaus IGel, aber sie werden oft übermäßig ausgenutzt", sagt Montgomery.

Medizin, Gesundheitspolitik, Wirtschaft - Redakteure aus diesen drei Ressorts tragen danach ihre Themenvorschläge für den nächsten Tag vor.

"Ich lasse alle zu Wort kommen."

Es geht aussschließlich um die ersten beiden Seiten, die wichtigsten im Blatt, und der Co-Chef für einen Tag gibt die Richtung vor. "Ich habe bei der Bundesärztekammer einen partizipatorischen Führungsstil, ich lasse alle zu Wort kommen", sagt er und schmunzelt dabei.

Dann kann es losgehen, das Medizinressort schlägt als Aufmacher für Seite eins eine Studie über Grippeimpfungen vor. Ein Thema, das Montgomery für sehr relevant hält. "In Deutschland müssen viel mehr Ärzte diese Impfung anbieten, das sollte unbedingt im Text ergänzt werden", fordert er.

Das Ressort Gesundheitspolitik will einen Leitantrag zur Bürgerversicherung auf dem SPD-Parteitag zum Top-Thema machen. Die Debatte läuft gerade in Berlin, ein Kollege aus dem Hauptstadtbüro der Ärzte Zeitung ist vor Ort.

"Wird da auch beobachtet, wie Karl Lauterbach seine Rede hält", fragt Montgomery kritisch. Den SPD-Politiker Lauterbach in voller Aktion beobachten, das könnte nicht nur eine Text-, sondern auch eine mögliche Bildoption für Seite 1 sein. Eine Idee, die später modifiziert wird.

Lauterbach doch nicht als Bild

Der Text kommt, das Foto nicht. Zum einen, weil sich Montgomery für ein noch attraktiveres Bild entscheidet. Zum anderen, weil er bei genauerer Betrachtung zur Einsicht kommt, dass manche Ärzte durch ein Foto von Lauterbach nicht unbedingt zum Weiterlesen animiert werden könnten.

Das attraktivere Bild für Seite 1: Es geht dabei um eine nahezu identische Replik einer Stradivari mithilfe von 1000 CT-Scans, eine Story vom Radiologen-Kongress in Chicago, die beim Radiologen Montgomery extrem gut ankommt.

Dem BÄK-Chef macht die Aufgabe sichtlich Spaß, er nimmt sie an und entscheidet pragmatisch. Ein Text zum Heilmittelwerbegesetz etwa wird zunächst auf die nächste Ausgabe geschoben, "weil da wohl einige inhaltliche Dinge geklärt werden müssen." Das gelingt schließlich, und deshalb kann der Text dann doch wie geplant erscheinen.

Fast so aufregend wie in der Radiologie

Die Konferenz ist vorbei, in den nächsten Stunden laufen nach und nach die Texte für die vorderen Seiten ein, hier und da übt der Co-Chefredakteur Kritik und bittet um Nachbesserungen.

Dann ist Redaktionsschluss, Montgomery zieht Bilanz. Dass alle Themen auf ihre unmittelbare Relevanz für Ärzte abgeklopft werden, hat ihn beeindruckt.

Und auch die "Sprunghaftigkeit der Abläufe" habe ihm gefallen, sagt er. Und schließlich die Intensität, mit der im Redaktionsalltag über Inhalte von Texten diskutiert und Ideen auch wieder verworfen werden.

"Mir war nicht klar, wie interaktiv das bei der Ärzte Zeitung läuft", sagt er. "Das ist fast so aufregend wie meine Arbeit als Radiologe in der Klinik - aber nur fast."

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