Ärzte Zeitung, 08.12.2011

Hintergrund

Weg für European Medical School ist fast frei

Ein grenzüberschreitender Medizin-Bachelor: In Oldenburg könnte er bald kommen. Am Freitag stimmt der niedersächsische Landtag ab, ob er 46 Millionen Euro für den Aufbau der EMS freigibt.

Von Christian Beneker

Weg für European Medical School ist fast frei

Die Uni Oldenburg will künftig ein Medizin-Bachelor-Studium anbieten.

© Carl von Ossietzky Universität

Donnerstagberät der niedersächsische Landtag, ob er mit fast 46 Millionen Euro den Weg für die European Medical School Oldenburg-Groningen (EMS) frei machen wird. Abgestimmt wird am Freitag.

"Ich bin zuversichtlich, dass die Abgeordneten zustimmen", sagt Dr. Gerd Pommer, Vorsitzender des Vereins Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest.

"Die Fraktionsvorsitzenden haben ihr OK gegeben, der Haushaltsausschuss auch - wir haben keinen Hinweis darauf, dass sich die Finanzierung negativ entwickeln wird."

Am Dienstag hat das Präsidium der Uni Oldenburg die Gründung beschlossen. Nun ist der Senat am 15. Dezember am Zug.

Hat er keine Einwände, wird das Präsidium endgültig zustimmen und das Ganze an das Bildungsministerium schicken - und die neue Fakultät kann im nächsten Wintersemester loslegen.

Zusätzliche Drittmittel

Die Pläne sind ehrgeizig: Rund 30 Professoren, eine neue Uniklinik, bestehend aus den drei Krankenhäusern Oldenburgs, je 40 Studierende hüben und drüben der Grenze, ein völlig neu gestaltetes Bewerbungsverfahren für die Erstsemester, ein Netz aus hausärztlichen Lehrpraxen und neue Forschungsschwerpunkte.

Außer den 46 Millionen Euro vom Land erwarten die Initiatoren der EMS zusätzlich 8,5 Millionen Euro aus der VW-Stiftung und fünf Millionen Euro aus der Region, hieß es.

Die neue Fakultät für Humanmedizin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Rijksuniversiteit Groningen sollte grenzübergreifend erstmals in Deutschland einen Bachelor-Master-Studiengang für Mediziner anbieten.

Das rief die Kritiker vor allem vom medizinischen Fakultätentag, der Bundesärztekammer und der Landesärztekammer auf den Plan. Sie befürchteten, dass der "Bachelor-Arzt" qualitativ schlechter ausgebildet werde, im Vergleich zu Ärzten, die ein traditionelles Medizinstudium absolviert haben.

Bachelor und Master nur in den Niederlanden

Der Streit entzweite auch den Wissenschaftsrat in Berlin. Schließlich einigte man sich aber doch darauf, dem Bachelor- und Master-Studium für Medizin als Modellstudiengang in Oldenburg zuzustimmen.

Die entsprechenden Abschlüsse können die Studierenden aber nur in den Niederlanden machen. In Oldenburg bleibt es beim Staatsexamen.

Der Kompromiss ist stark genug, dass auch Professor Dieter Bitter-Suermann, als Präsident der Medizinische Hochschule Hannover und Vorsitzender des medizinischen Fakultätentages eigentlich Kritiker der Oldenburger Konkurrenz, nun als Mitglied des Gründungsausschusses der neuen Fakultät zustimmen konnte.

Versorgungsforschung ein Schwerpunkt

Unterdessen wurden Einzelheiten über die geplante Versorgungsforschung bekannt. Sie ist neben der Neurosensorik der zweite geplante Schwerpunkt der Fakultät. "Das neue Institut für Versorgungsforschung wird sechs Professuren erhalten", sagt der Oldenburger Informatik-Professor Hans-Jürgen Appelrath, der vom Uni-Präsidium mit der Leitung der Arbeitsgemeinschaft Versorgungsforschung an der EMS beauftragt wurde.

"Es gibt kaum einen der 13 Standorte für Versorgungsforschung in Deutschland, der mit so vielen Professuren aufwarten kann", so Appelrath, "allerdings wird auch einer der neuen sechs Oldenburger Lehrstühle an die Medizinethik vergeben."

Da Appelrath auch im Vorstand des Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitutes für Informatik (Offis) sitzt, "können wir in Kooperation mit dem neuen Institut das hohe Datenaufkommen der Versorgungsforschung gut bewältigen", so Appelrath. Die Konstruktion der EMS erlaube es zudem, binationale Systemvergleiche zwischen Deutschland und den Niederlanden zu erheben.

In Zusammenarbeit mit der KV Niedersachsen akquiriert die neue Fakultät derzeit 40 hausärztliche Lehrpraxen. In einem Jahr zum Start der EMS werden Personal, Einrichtungen und Praxen wohl noch nicht komplett sein.

Allen, die diesen Umstand kritisieren, hält Pommer entgegen: "Als die MHH gegründet wurde, haben sie mit sieben Professoren angefangen. Und von denen kamen auch noch zwei von der Tierärztlichen Hochschule."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Fauler Kompromiss, ehrgeiziges Projekt

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