Ärzte Zeitung online, 09.12.2011

Porträt

Müller - ein kompetenter Integrator

Als Krisenmanager kam er zur KBV: Dr. Carl-Heinz Müller. Seine vier Jahre im Vorstand brachten dem Überzeugungstäter Erfolge, und er musste den ein oder anderen Spagat vollbringen. Hochkompetent und ruhig in der Sache beschreiben ihn Weggefährten. Am Ende standen eine Sinnfrage und ein Streit mit den Kassen.

Von Wolfgang van den Bergh

Müller - ein kompetenter Integrator

Carl-Heinz Müller: Ein Überzeugungstäter tritt ab.

© Presseagentur Gesundheit

Wenige Monate, nachdem Dr. Carl-Heinz Müller im Amt als 2. Vorsitzender der KBV bestätigt worden ist, will er zu Beginn des neuen Jahres das Handtuch werfen. Er selbst will sich zum jetzigen Zeitpunkt zu seiner Entscheidung nicht äußern, hieß es im Umfeld der KBV.

Seit 2001 ist Müller Mitglied der KBV-Vertreterversammlung. Erfahrungen sammelte der gelernte Hausarzt als Vorsitzender zunächst in der KV Trier (2001 bis 2004) und danach als Chef der KV Rheinland-Pfalz (2004 bis 2007). 2007 kam der gebürtige Trierer an die Spree, um die Amtsgeschäfte an der Spitze der KBV mit zu übernehmen.

Rückblende: Als sich der Streit innerhalb der alten KBV-Doppelspitze zwischen Dr. Andreas Köhler und Ulrich Weigeldt zuspitzt, sucht die KBV einen Krisenmanager. Weigeldt, heute Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, muss nach einem Misstrauensvotum seinen Platz im Vorstand räumen.

Müller zögert nicht lange, die Amtsgeschäfte an der Spree zu übernehmen. Am 11. Juli 2007 wählen ihn die Delegierten einstimmig - bei nur einer Enthaltung - zum zweiten Vorstand der KBV für den hausärztlichen Bereich.

Nicht ganz zu brillant verlief seine Wiederwahl im März 2011. Dennoch konnte er sich klar gegen seinen Konkurrenten, Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner, durchsetzen.

Das Duo Köhler und Müller funktionierte von Beginn an. Beide könnten gut miteinander, hieß es immer wieder. Müller selber sagte noch vor einem Jahr über seinen Vorstandskollegen Köhler: "Ich habe ihn als einen innovativen, hochkompetenten und manchmal auch impulsiven Kollegen erlebt, mit dem die Zusammenarbeit richtig Spaß macht."

Und Köhler über Müller: "Wir beide sind Überzeugungstäter, wenn es um die Zukunft des KV-Systems geht - das schweißt zusammen."

Müller musste in den vergangenen Jahren immer wieder den Spagat zwischen den Interessen der KBV und denen des Hausärzteverbandes aushalten.

Beim Thema Kollektivverträge versus Selektivverträge agierte Müller häufig im Hintergrund. Wenn er sich dann doch zu dem Thema öffentlich äußerte, zeigte er Kante.

Das Thema Arzneimittel ist Müllers Zuständigkeitsbereich. Hier kennt er sich aus, obwohl der große politische Erfolg bis heute ausgeblieben ist: die generelle Abschaffung der Richtgrößenprüfungen und der Regresse.

Im August erklärte er dazu der "Ärzte Zeitung" exklusiv: Richtgrößen beizubehalten sei paradox. Verordnungseinschränkungen seien ein Widerspruch zum Sicherstellungsauftrag.

Müller: "Für mich als Vorstand stellt sich hier die Sinnfrage. Übe ich meine Vorstandstätigkeit weiter aus, wenn ich sehe, dass die Politik die falschen Spuren legt und hinterher mir als Person und als KBV-Vorstand sagt, ihr könnt die Sicherstellung nicht garantieren?"

Ein schwacher Trost bleibt ihm: Das von ihm und der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände entwickelte Arzneimittelkonzept wurde von der Koalition aufgenommen und als Modell-Option ins Versorgungsstrukturgesetz geschrieben.

Das Modellvorhaben, wonach Ärzte lediglich den Wirkstoff aufs Rezept schreiben sollen, sei eine große Chance, so Müller. Nur so könne dem Arzt der wirtschaftliche Druck genommen werden.

Gegenargumente, damit die Therapiefreiheit zu gefährden, wie sie etwa vom Hausärzteverband vorgetragen werden, werden von ihm abgelehnt.

Mit Stolz kann Müller auf den Arzneimittel-Infoservice (AIS) zurückblicken. Hier können sich Vertragsärzte rund um die Themen Arzneimittelsicherheit, Verordnungssteuerung, neue Arzneimittel und Auslegungsfragen zu Arzneimittel-Richtlinien informieren.

Unklar und nebulös bleiben die Zusammenhänge im Streit mit den Kassen und hier insbesondere um die Beschleunigung der Online-Anbindung der E-Card.

Zwar ist der in den letzten Tagen gefundene Kompromiss ausdrücklich begrüßt worden. Die Initiative der Kassen soll von Müller allerdings scharf kritisiert worden sein.

Lesen Sie dazu auch:
KBV-Vize Müller tritt zurück

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