Ärzte Zeitung, 15.12.2011

Jogging-Pflicht und Schindluder-Messung

Gesundheit ist im Jahr 2050 eine soziale Pflicht. Wer mit ihr Schindluder treibt, muss zur Body-Mass-Kontrolle. Ein Blick in die Zukunft.

Von Anno Fricke

BERLIN. "Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen", lautet ein Spruch. Der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) wagte es trotzdem, über den Tellerrand zu blicken.

Eine Politikerin, ein Zukunftsforscher und zwei Industrievertreter diskutierten am Mittwoch darüber, welch "Schöne neue Welt" uns wohl im Jahr 2050 erwarten möge.

Massive Ausbrüche von "Gesundheitsepidemien" erwartet der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx. Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen, Demenz und Krebs seien stark verhaltensinduziert.

In der Gesellschaft wachse das Bewusstsein, dass man die Regel "mehr Tabletten für mehr Menschen" nicht auf Dauer fortschreiben könne.

Schindluder auf Kosten der Solidargemeinschaft

Auf Couchpotatoes, die zuviel essen, rauchen, trinken, werde daher künftig Druck ausgeübt, auch subtil aus dem persönlichen Umfeld heraus. "Joggen wird zur sozialen Pflicht", spitzte Horx seine Überlegung zu.

Subtil? Dorothee Bär wurde ganz deutlich, und zwar im Hier und Jetzt: "Kann man zulassen, dass jemand, weil er heute mit seinem Körper Schindluder betreibt, auf Kosten der Solidargemeinschaft, dies auch weiterhin tun darf?" fragte die familienpolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag.

Doch wie misst man Schindluder? Das lasse sich eventuell am Body Mass-Index ablesen, sinnierte Bär.

Es sei nicht das Interesse der forschenden pharmazeutischen Industrie, die Menschheit mit Tabletten, Pillen und Ampullen zu fluten, stellte sich Dr. Hagen Pfundner, der neue vfa-Vorsitzende, auf die Seite von Bär und Horx.

Die Rente "wieder ganz sicher"

Die Erkenntnisse aus dem Blick in den Bauplan des Körpers schüfen eine immer personalisiertere Medizin. Ganzheitliche Präventionsansätze ständen dazu nicht im Widerspruch.

"Wenn man uns unterstellen würde, wir wollten solche Trends verhindern, um Tabletten zu verkaufen, ist das völlig abwegig", sagte Pfundner. Die Realität aber sei, dass sich Verhaltensänderungen nur schwer durchsetzen ließen.

Die Arbeitswelt wandelt sich. Betriebliches Gesundheitsmanagement werde an Bedeutung gewinnen, sagte Dr. Henning Rentz, Manager bei der RWE AG.

Die Betriebe müssten sich darauf einstellen, dass die gut ausgebildeten Arbeitskräfte des Jahres 2050 in punkto freier Zeiteinteilung ganz andere Ansprüche entwickelt haben werden.

Das aber kann bedeuten, dass die Rente unserer Urenkel ganz sicher wieder sicher ist. 2050 werde die Geburtenrate gestiegen sein, weissagte Zukunftsforscher Horx. Denn: Wo die Arbeitsmodelle flexibel seien, bekämen die Frauen mehr Kinder.

Sonntag, 13 Uhr, bei Phoenix

[16.12.2011, 21:31:46]
Dr. Bernhard reiß 
Zukunftsvisionen Gesundheit
Solche Voruaussagen gab es schon vor 30 Jahren. Und auch schon früher. Der Krebs wird besiegt, die Menschen sind pumperlgesund und alle glücklich. Die Älteren erinnern sich vielleicht. Ein Blick genügt und zeigt: alles Makulatur. Natürlich möchte Frau Bähr die Menschen zwangsbeglücken. Durch Druck und Ausgrenzung. Das ist eben eine echte Demokratin. Wenn "Der Bürger" nicht macht was Sie sagt, dann wird er eben stigmatisiert. Er macht ja schließlich die schöne Solidargemeinschaft kaputt. Was wird das nur für ein Staat sein, in dem unsere Kinder leben müssen? Wir gehen auf im Kollektiv, leben und arbeiten für die Gemeinschaft.Und wer böse war, muß auf die stille Treppe- oder was? zum Beitrag »

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