Ärzte Zeitung online, 16.12.2011

Ministerin: Finger weg von E-Zigaretten

DÜSSELDORF (dpa). Sie sind im Trend, ihre Risiken allerdings ungewiss: nikotinhaltige E-Zigaretten. Genau genommen könnten die Elektro-Kippen unter das Arzneimittelrecht fallen - und wären damit verboten. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens warnt vor dem elektronischen Rauch.

Ministerin und Behörden warnen vor E-Zigaretten

Das BfArM hat bislang nur eine E-Zigarette überprüft - und sie als zulassungspflichtiges Arzneimittel eingestuft. Eine Grundsatzentscheidung ist aber noch nicht getroffen worden.

© Marcus Brandt / dpa

"Was derzeit auf dem Markt ist, ist alles nicht zugelassen und nicht geprüft", sagte Steffens in Düsseldorf.

Die bisher erhältlichen Flüssigsubstanzen, die sogenannten Liquids, enthielten so hohe Mengen an Nikotin, dass sie als Arzneimittel einzustufen seien - und damit unter die strengen Zulassungsauflagen des Arzneimittelgesetzes fielen.

Kein Beleg, dass E-Zigaretten ungefährlich sind

Bei den immer stärker nachgefragten E-Zigaretten verdampfen Liquids mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen und werden inhaliert. Die Geräte und Flüssigmischungen werden vor allem im Internet, aber auch in speziellen "E-Shops" angeboten.

Es gebe keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass E-Zigaretten ungefährlich seien, betonte Steffens.

Die nächste Konferenz der Gesundheitsminister werde sich mit dem Thema befassen, die EU-Kommission plane eine Überprüfung der gesundheitlichen Folgen.

E-Zigarette ein Arzneimittel?

Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn hieß es, bei der Beurteilung der E-Zigaretten gebe es derzeit keine Grundsatzentscheidung.

Dem BfArM liegen mehrere Anträge von Landesbehörden vor, in denen es um die Überprüfung einzelner E-Zigaretten-Produkte geht.

In einem ersten Fall sei eine E-Zigarette als zulassungspflichtiges Arzneimittel eingestuft worden, sagte BfArM-Sprecher Maik Pommer. Dieses Produkt sei in Deutschland aber bisher nicht in den Verkehr gebracht worden. Jedes Liquid müsse im Einzelfall geprüft werden.

Pommer erklärte: "Bei der E-Zigarette wird Nikotin verdampft - und Nikotin wirkt pharmakologisch. Da liegt zunächst die Vermutung nahe, dass es sich um ein Arzneimittel handelt. Aber um das zu ermitteln, bedarf es immer einer sorgfältigen Einzelfallentscheidung."

Zu den Prüfkriterien gehört, wie hoch der Nikotinanteil ist oder welche Substanzen noch inhaliert werden.

TK will Warnhinweise

Die Techniker Krankenkasse (TK) forderte Warnhinweise für die flüssigen Nikotinkonzentrate. "Nikotin ist ein Nervengift und ein Suchtmittel. Deshalb gehören Warnhinweise auf die Liquid-Fläschchen", sagte eine Sprecherin des NRW-Verbands.

Gerade Jugendliche könnten sonst zum Rauchen verführt werden. Es handele sich ganz klar nicht um ein "gesundes" Rauchen, wie gerne gerade in Richtung aufhörwilliger Raucher suggeriert werde.

"Der Nikotinkonsum bei einer E-Zigarette ist mindestens genauso hoch wie beim herkömmlichen Glimmstängel", betonte die TK unter Berufung auf eine Studie des Instituts für Sozial-und Präventivmedizin an der Universität Genf.

[20.12.2011, 11:33:05]
Erich Rick Müller-Höhn 
Sind Zigaretten Arzneimittel?
Ich kann dem Inhalt des Beitrags von Herrn Dr. Luyken uneingeschränkt zustimmen. Ich sehe die E-Zigaretten ebenfalls als eine mögliche Alternative zum Abgewöhnen des Rauchens.

Erich Rick Müller-Höhn  zum Beitrag »
[20.12.2011, 00:01:59]
Thomas Tesch 
offener Brief
Ich erlaube mir auf diesen offenen Brief auf youtube hinzuweisen:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=oIpOpU-hgQQ

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=r9JO19bzft0

MfG, Th. Tesch zum Beitrag »
[17.12.2011, 21:44:09]
Dr. Christoph Luyken 
Sind Zigaretten Arzneimittel?
Wenn E-Zigaretten Arzneimittel sind, dann sind es richtige Zigaretten auch - was soll der Blödsinn?
Die E-Zigaretten sind natürlich keine Einstiegsdrogen oder im "Rauchgenuß" auch nur annähernd gleichwertig mit echten Zigaretten.
Sie sind aber nicht nur ein Ausweg für Nukotinsüchtige in rauchfreien Zonen, sondern eine interessante Alternative als Mittel zum Abgewöhnen des Rauchens, welche sinnvoller und wirksamer als Nikotinkaugummis- oder Pflaster sind und auch nebenwirkungsärmer als Medikamente zu diesem Zweck. Sie haben sich dabei schon gut bewährt. Trotzdem hielte ich es für widersinnig, sie als Arzneimittel einzustufen.
Natürlich ist es notwendig, daß die Liquids (vor allem auch die nikotinfreien) auf Unschädlichkeit überprüft sind und daß die Altergrenze bei der Abgabe beachtet wird. zum Beitrag »
[16.12.2011, 18:47:53]
Jörg Dähn 
Ich finde die Dinger auch nicht ganz ungefährlich, . . .
aber immerhin nur ein potentiell krebserregender Stoff statt hundert. zum Beitrag »

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