Ärzte Zeitung online, 22.12.2011

Bahr stärkt Wulff den Rücken

Der Druck auf Bundespräsident Christian Wulff lässt nicht nach. Nun hat er seinen Sprecher entlassen. Gesundheitsminister Bahr stärkt ihm den Rücken.

Wulff vor dem Rücktritt?

Ist es schon Zeit? Der Bundespräsident beim Blick auf die Uhr.

© dpa

BERLIN (dpa/eb). Bundespräsident Christian Wulff hat seinen Sprecher und langjährigen Vertrauten Olaf Glaeseker entlassen. Dies teilte das Bundespräsidialamt am Donnerstag in Berlin mit.

Die Aufgaben Glaesekers würden ab sofort von seiner Stellvertreterin Petra Diroll kommissarisch wahrgenommen. Für den Nachmittag (15:30 Uhr) kündigte Wulff eine persönliche Erklärung in Berlin an.

Derweil stärkte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) Dem Präsidenten demonstrativ den Rücken. "Er hat das Vertrauen der Koalition. Und wie die Umfragen zeigen, auch in der Bevölkerung", sagte Bahr der am Freitag erscheinenden "Saarbrücker Zeitung".

Die Transparenz, mit der Wulff den Vorwürfen begegne, sei der richtige Weg, um die Anschuldigungen zu entkräften, meinte Bahr.

Wulffs Sprecher Glaeseker bat dem Vernehmen nach selbst um seine Entlassung. Das verlautete aus dem Umfeld des Präsidialamtes.

Im Zuge der Berichterstattung über den Privatkredit und die privaten Urlaubsreisen Christian Wulffs habe sich abgezeichnet, dass sich die Erörterung nun auch auf das Privatleben Glaesekers ausweite.

Auch zum Schutz seiner Familie sei Glaeseker nicht bereit gewesen, eine solche öffentliche Erörterung seines Privatlebens hinzunehmen.

Wulff sieht sich seit über einer Woche mit Vorwürfen wegen eines Hausdarlehens und zu enger Kontakte zu vermögenden Unternehmern konfrontiert.

Am Donnerstag machte das Magazin "Der Spiegel" weitere Einzelheiten des Kredits öffentlich. Danach bekam Wulff den Kredit für sein Eigenheim von 500.000 Euro bei der BW-Bank zu auffallend günstigen Konditionen.

Wulff habe - nach der Ablösung des Kredits beim Unternehmerpaar Geerkens - bei der BW-Bank keinen normalen Immobilienkredit erhalten, sondern ein komplexes Finanzkonstrukt.

[22.12.2011, 18:13:48]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Nein, keine 'Bananenrepublik' mit 'Geschmäckle'
Spiegel-Online betitelt die Wulff-Erklärung heute Nachmittag:
"Bundespräsident bedauert seinen Umgang mit Kreditaffäre" und weiter "er hätte früher Details offenlegen müssen". Bei den Sonderkonditionen der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank) handele es sich nicht um einen üblichen Immobilienkredit für übliche Bürger, sondern um ein "komplexes Finanzkonstrukt".

Soweit, so gut. Aber dass Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) Bundespräsident Christian Wulff beispringt und zugleich in der heutigen Ärzte Zeitung zitiert wird: "Klientelismus bei der FDP ist schlichter Unsinn", gibt mir schon zu denken. Auch weil dieselbe, damals stimmgewaltigere Regierungspartei ihrer notleidenden Hotelbesitzer-Klientel wider alle volkswirtschaftlich-finanzpolitische Vernunft den halben Mehrwertsteuersatz zukommen ließ. Aber da ging es nicht um Einzelne, die Not leiden, sondern um eine ganze notleidende Branche.

Den Kranken und Leidenden in Not auch nur den halben Mehrwertsteuersatz für die notwendige Medikamenteneinnahme abzuverlangen, hätte viel zu sehr nach Gleichmacherei ausgesehen. Da ist es doch viel treffsicherer, Kaviar und Hummer wie alle Lebensmittel mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz zu privilegieren. MfG Dr. med. Schätzler

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »