Ärzte Zeitung, 07.02.2012

Ärzte-Offensive gegen Landarztmangel

In der Region Heilbronn ist ein Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin gegründet worden - Ärzte reagieren gemeinsam auf eine drohende Unterversorgung.

HEILBRONN (jvb). Die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg (BÄK NW), die Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) Heilbronn und 31 niedergelassene Ärzte haben den Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Regionalnetz Heilbronn gegründet. So möchten sie dem Ärztemangel vor allem in ländlichen Gebieten entgegen wirken.

Nach Angaben von Dr. Martin Uellner, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Heilbronn, sind etwa 1200 Hausärzte in Nordwürttemberg älter als 55 Jahre, die Facharztprüfung für Allgemeinmedizin legen in der Region aber nur 50 Ärzte pro Jahr ab.

Der Weiterbildungsverbund soll interessierten Medizinern die Qualifikation zum Facharzt Allgemeinmedizin erleichtern. Dafür müssen zuerst drei Jahre Ausbildung bei den SLK-Kliniken und anschließend zwei Jahre in einer niedergelassenen Hausarztpraxis absolviert werden.

Hierfür haben Kliniken, niedergelassene Ärzte und die BÄK NW gemeinsam ein Curriculum entwickelt. Die zeitliche Abfolge der verschiedenen Fachbereiche kann der Weiterbildungsassistent dabei selbst bestimmen. Die BÄK NW unterstützt ihn dabei zum Beispiel mit der Onlineplattform ELP 25 WBmed.

Sorge vor finanziellem Risiko einer Niederlassung kann nicht genommen werden

Durch den Verbund entfalle etwa die aufwendige Stellensuche für die einzelnen Weiterbildungsetappen, sagte Angela Wank von der Bezirksärztekammer in Heilbronn. Zudem werde der Einstieg in die Praxis erleichtert, da ausbildende Hausärzte und eventuelle Nachfolger sich bereits kennen. Auch die Abläufe in der Klinik seien später bekannt, was die Zuweisung vereinfache.

BÄK NW-Vizepräsident Dr. Stephan Roder zeigt sich zuversichtlich, dass dieses Konzept gegen Ärztemangel erfolgreich ist. "Aus Erfahrung weiß man, dass sich viele Hausärzte im Umfeld ihres Weiterbildungsortes niederlassen", sagte Roder.

Dennoch kann der Verbund nichts an Problemen der Infrastruktur ändern. Und er kann angehender Ärzte nicht die Sorge vor dem finanziellen Risiko einer Niederlassung nehmen.

Das sind beides Gründe, die Ärzte immer wieder daran hindern, aufs Land zu ziehen. Roder erinnerte daran, dass Ärztekammer und KV Baden-Württemberg derzeit daran arbeiten, zumindest die Belastung durch Notdienste zu reduzieren - auch ein wesentlicher Aspekt bei einer Praxisgründung.

Aus derzeit 400 Notfalldienstbezirken in Baden-Württemberg sollen in Zukunft etwa 150 werden.

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